1980er-Nostalgie: Soll es Freizeitparks mit saurem Regen und VW Golf I geben?
Hellmuth Ortmann1980er-Nostalgie: Soll es Freizeitparks mit saurem Regen und VW Golf I geben?
In Deutschland gewinnt die Idee von Freizeitparks im Stil der 1980er-Jahre zunehmend an Fahrt. Befürworter argumentieren, dass diese Parks alles aus der Epoche nachbilden sollten – von den Autos und dem Essen bis hin zu den Umweltbedingungen, inklusive saurem Regen und Atomkraftwerken. Der Vorschlag spiegelt eine wachsende Nostalgie wider: Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, das Leben in Westdeutschland der 1980er-Jahre sei besser gewesen als heute.
Der Ruf nach solchen Parks fällt in eine Zeit, in der sich die rechtspopulistische Stimmung in Deutschland wandelt. Während rechtsextreme Parteien wie die Republikaner in den 1990er-Jahren nur begrenzten Erfolg hatten, verzeichnet die AfD seit 2013 einen deutlichen Aufstieg – besonders in den ostdeutschen Bundesländern. Angetrieben wird dieser Trend durch Krisen wie Migration, wirtschaftliche Sorgen und die Pandemie. Bis 2024 stieg die Zahl der Rechtsextremisten um 24 Prozent auf 50.250 an, davon werden 25.000 der AfD zugerechnet. Innerhalb dieser Gruppe gelten 15.300 als gewaltbereit. Unterdessen wird weiter über die Wirksamkeit politischer "Brandmauern" diskutiert, die ihren Einfluss eindämmen sollen.
Björn Höcke, eine führende Figur der AfD, hat offen den Wunsch geäußert, in die "alte Bundesrepublik" der 1980er-Jahre zurückzukehren. Die geplanten Parks würden genau dieses Gefühl bedienen: Besucher könnten etwa mit einem VW Golf I fahren oder Zigeunerschnitzel essen – ganz ohne moderne Einschränkungen wie "Sprachpolizei" oder umweltfreundliche Technologien wie Wärmepumpen. Der Eintritt soll bewusst günstig bleiben und bei vier D-Mark gedeckelt werden.
Das Ziel ist es, den ersten Park bis 2026 zu eröffnen, gezielt für diejenigen, die die Ära vermissen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 zeigte, dass 68 Prozent der AfD-Anhänger sich nach den 1980er-Jahren sehnen – ein klarer Beleg für die Nachfrage nach einem solchen Projekt.
Die geplanten Parks würden kulturelle Nostalgie mit politischen Untertönen verbinden. Sollten sie Realität werden, böten sie ein wörtlich zu nehmendes Zurück in die 1980er-Jahre – inklusive Autos, Essen und sogar Umweltbelastungen. Gleichzeitig unterstreicht das Vorhaben die verschobenen politischen Landschaften, während rechtspopulistische Strömungen inmitten gesellschaftlicher Debatten an Einfluss gewinnen.






