90-Jährige droht Zwangsräumung: Warum ihr Zuhause in Dortmund abgerissen wird
Hellmuth Ortmann90-Jährige droht Zwangsräumung: Warum ihr Zuhause in Dortmund abgerissen wird
Eine 90-jährige Frau in Dortmund muss bis Ende April ihre Wohnung räumen. Lieselotte Hoeber, die seit Jahren in dem Gebäude lebt, steht vor der Zwangsräumung – Teil der Abrisspläne ihres Vermieters, der Versicherungsgesellschaft Volkswohl Bund. Das Unternehmen will das Haus abreißen und durch Neubau ersetzen, obwohl Mieter und lokale Initiativen die Pläne scharf kritisieren.
Die fünf betroffenen Wohngebäude, darunter auch Hoebers Haus, wurden seit über fünf Jahren nicht mehr saniert. Gleichzeitig hat der Volkswohl Bund andere Immobilien in der Nähe modernisiert – was die Frage aufwirft, warum ausgerechnet diese Häuser nicht erhalten bleiben können. Susanne Neuendorf, Sprecherin des Mietervereins, bezeichnet die Begründung des Versicherers von "wirtschaftlicher Unrentabilität" als irreführend und wirft dem Vermieter vor, die Mieter unter falschen Vorwänden zu vertreiben.
Die an alle 36 Haushalte verschickten Kündigungen sind wortgleich formuliert. Der Mieterverein hält sie für rechtlich fragwürdig und argumentiert, dass solche pauschalen Kündigungen gegen Mietrecht verstoßen könnten. Einige Bewohner sind bereits in sanierte Wohnungen umgezogen – Gerüchten zufolge nach finanziellen Anreizen des Vermieters, um den Umzug zu erleichtern.
Für Hoeber ist der Gedanke an einen Umzug mit 90 Jahren überfordernd. Zwar könnte sie in einem der modernisierten Häuser unterkommen, doch die Belastung, ihr Leben umkrempeln zu müssen, lässt sie sich verraten fühlen. Politiker und Stadtplaner unterstützen weitgehend den Abriss, sodass den Mietern kaum Handlungsmöglichkeiten bleiben.
Der Volkswohl Bund wird die Häuser wie geplant abreißen und durch Neubauten ersetzen. Hoeber und andere langjährige Mieter müssen nun eine alternative Bleibe finden – trotz der emotionalen und körperlichen Strapazen. Der Fall zeigt die Spannungen zwischen städtischer Entwicklung und den Rechten älterer Bewohner in Dortmund auf.






