AfD: Keine Fingerhakeln für die BRD
AfD: Kein Fingerkrümmen für die BRD
Teaser: Seit der Abstimmung über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz gibt es in der AfD Streit über das Verhältnis der Partei zum Militär. Ein Bundestagsabgeordneter erhielt einen Verweis – weil er Björn Höcke kritisiert hatte.
17. Dezember 2025, 06:16 Uhr
Ein erbitterter Streit über die militärische Zukunft Deutschlands ist in der AfD ausgebrochen. Die Ablehnung des Bundeswehrmodernisierungsgesetzes durch die Partei hat tiefe Gräben zwischen den Flügeln offenbart. Während die eine Gruppe ein Wehrsystem nach Vorbild des Kalten Krieges fordert, lehnt die andere jede Verteidigung des aktuellen Staates grundsätzlich ab.
Der Konflikt eskalierte, nachdem der AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen den führenden Vertreter des nationalistischen Parteiflügels, Björn Höcke, öffentlich kritisiert hatte. Der Streit verdeutlicht die gegensätzlichen Vorstellungen über die Bundeswehr und die nationale Identität Deutschlands.
Auslöser der Auseinandersetzung war die Ablehnung des Gesetzes zur Modernisierung des Wehrdienstes durch die AfD. Viele ehemalige Soldaten reagierten verärgert und sahen darin einen Verrat an der Landesverteidigung. Innerhalb der Partei setzt sich Lucassen, ein 74-jähriger Ex-Hubschrauberpilot, seit Langem für einen raschen Ausbau der Bundeswehr als Gegengewicht zu Russland ein. Er und Gleichgesinnte wie Ottens streben eine Rückkehr zu traditionellen, „unwoken“ militärischen Werten an – inspiriert von der CDU-Politik der Kalten Kriegszeit.
Lucassens Kritik richtete sich direkt gegen Höcke, der erklärt hatte, das heutige Deutschland sei es nicht wert, dafür zu kämpfen. Höcke konterte, er werde zwar „kämpfen und sterben“ für die Existenz Deutschlands – aber nicht für die aktuelle Bundesrepublik. Seine Haltung spiegelt eine grundsätzliche Ablehnung der Legitimität des Nachkriegsstaates wider, was eine Verteidigung desselben überflüssig mache. Damit steht er einem Parteiflügel nahe, der „Volksmilizen“ einer Wehrpflicht für ein als „unpatriotisch“ empfundenes System vorzieht.
Eine dritte Strömung, verbunden mit Götz Kubitschek und dem Antaios-Verlag, befürwortet zwar ebenfalls die Wehrpflicht, hält die heutige Bundeswehr und Gesellschaft jedoch für zu schwach, um wirksame Reformen umzusetzen. Sie sehen den Wehrdienst vielmehr als Instrument, um junge Männer auf einen künftigen „völkisch-autoritären“ Staat vorzubereiten. Lucassen hingegen musste interne Konsequenzen tragen: Für seinen öffentlichen Angriff auf Höcke erhielt er einen offiziellen Verweis.
Der Konflikt geht weit über die Militärpolitik hinaus. Während Konservative wie Lucassen die alte Bundesrepublik wiederbeleben wollen, streben Nationalisten wie Höcke deren Abwicklung an. Beide Seiten werfen der Parteiführung vor, die Wehrpflicht fallen zu lassen – doch ihre Visionen für Deutschland und seine Streitkräfte könnten kaum unterschiedlicher sein.
Die AfD bleibt zerrissen zwischen denen, die den bestehenden Staat stärken wollen, und denen, die ihn grundlegend ablehnen. Lucassens Flügel plädiert für eine Bundeswehr nach dem Vorbild des Kalten Krieges, während Höckes Anhänger das aktuelle System für nicht mehr rettbar halten. Die Haltung der Partei in der Verteidigungspolitik ist damit Teil eines größeren Ringens um Deutschlands Zukunft – und die Frage, wofür ihre Mitglieder überhaupt noch kämpfen wollen.






