Bielefelder Apotheken kämpfen um ihr Überleben – Oberbürgermeisterin verspricht Hilfe
Oswin MosemannBielefelder Apotheken kämpfen um ihr Überleben – Oberbürgermeisterin verspricht Hilfe
Apotheken in der Nähe von Bielefeld stehen unter wachsendem wirtschaftlichen Druck
Lokale Apotheken in der Nähe von Bielefeld kämpfen zunehmend ums Überleben. Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), traf sich kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um auf die drängenden Probleme aufmerksam zu machen. Das Gespräch fand vor dem Hintergrund neuer Regierungsreformen statt, die die Situation für unabhängige Apotheken in ganz Deutschland weiter verschärfen könnten.
Allein im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken dramatisch gesunken: Gab es 2012 noch vier, ist heute nur noch eine übrig. Dieser Rückgang spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Laut Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft der Apothekenverbände (ABF) könnte es bis 2025 durch Schließungen und Fusionen zu einem Nettoverlust von 500 bis 600 Apotheken kommen. Steigende Kosten und unfaire Konkurrenz durch Online-Apotheken haben bereits ein Drittel aller deutschen Apotheken in schwere finanzielle Schwierigkeiten gebracht.
Die staatlich festgelegten Gebühren für lokale Apotheken sind seit zwei Jahrzehnten kaum gestiegen – 2013 gab es eine minimale Erhöhung um nur 3,1 Prozent –, während die Betriebs- und Personalkosten um 65 Prozent explodiert sind. Der aktuelle Reformentwurf der Koalitionsregierung sieht keine Gebührenanpassungen vor, sondern lediglich eine unbestimmte Verschiebung. Zudem fehlt ein Schutz für die Festpreisregelung bei Medikamenten, die Verbraucherkosten stabilisiert und das solidarische Gesundheitssystem stützt.
Besorgnis erregt auch der Vorschlag, die Pflicht zur persönlichen Anwesenheit von Apothekern aufzuheben, was die Patientenversorgung beeinträchtigen könnte. Versandapotheken, die keine umfassenden pharmazeutischen Dienstleistungen anbieten, verschärfen die Bedrohung für die lokale Versorgung zusätzlich. Die juristisch versierte Oberbürgermeisterin Dr. Bauer argumentierte, ein erneutes Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wäre rechtlich vertretbar, sofern Online-Anbieter nicht das gleiche Maß an Betreuung wie stationäre Apotheken bieten könnten.
Als Reaktion versprach Dr. Bauer, sich auf Bundes- und Landesebene sowie über den Deutschen Städtetag für stärkere Schutzmaßnahmen für Apotheken einzusetzen. Zudem sagte sie zu, die Bielefelder Apotheken bei der Bewältigung des anhaltenden Fachkräftemangels zu unterstützen.
Das Treffen zwischen Stange und Dr. Bauer unterstreicht die dringende Notwendigkeit politischer Kurskorrekturen, um die Existenz lokaler Apotheken zu sichern. Ohne Reformen, die die Gebührenungleichheit, steigende Kosten und unfaire Wettbewerbsbedingungen angehen, drohen weitere Schließungen. Die Zusagen der Oberbürgermeisterin könnten zwar vorläufig Entlastung bringen – entscheidend wird jedoch sein, ob konkrete Maßnahmen folgen, die das Überleben unabhängiger Apotheken langfristig sichern.






