Böhmermanns provokante Kunstschau in Berlin polarisiert mit Butter-Kohl und Tabubrüchen
Anto SchülerBöhmermanns provokante Kunstschau in Berlin polarisiert mit Butter-Kohl und Tabubrüchen
Umstrittene neue Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" in Berlin eröffnet
Im Berliner Haus der Kulturen der Welt hat eine provokante neue Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" ihre Pforten geöffnet. Entwickelt vom Satiriker Jan Böhmermann und seinem Kollektiv Royal, verbindet die Schau aufreizende Kunst mit politischer Kommentierung. Noch bis zum 19. Oktober 2022 fordert sie Besucher mit surrealen Installationen und unerwarteten Interaktionen heraus.
Gleich zu Beginn müssen die Gäste ihre Handys abgeben – eine Regel, die vollständiges Eintauchen in das Erlebnis erzwingt. Drinnen empfängt sie eine überlebensgroße Büste des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, vollständig aus Butter geformt. In der Nähe lädt eine Raucherkabine mit echten Zigaretten ein, während ein Fernrohr auf einen Spiegel gerichtet ist, der das Büro des benachbarten Kanzleramts reflektiert.
Eine schlaffe, aufblasbare Freiheitsstatue treibt in einem flachen Wasserbecken, ihr zusammengefaltener Körper kontrastiert mit der patriotischen Hymne "Land of the Free" – doch gesungen in einer feierlichen Frauenstimme, die über den Ausstellungsplatz schallt. Unterdessen zerfetzt eine Maschine alle 28 Minuten ein Stofftier, es sei denn, ein Besucher zahlt 20 Euro, um ein Selfie damit zu machen.
Ein "TV-Garten" für Independent-Publikum bietet zudem Auftritte von Künstlern wie Domiziana, Mine und Ebow. Doch für Kontroversen sorgte die Absage eines geplanten Konzerts des Rappers Chefket. Vorwürfe des Antisemitismus, erhoben vom Journalisten Wolfram Weimer, veranlassten die Veranstalter im März 2026 zur Distanzierung. Böhmermann wies die Anschuldigungen öffentlich zurück, nannte Weimers Kritik an Chefkets Israel-Äußerungen heuchlerisch und verwies auf dessen eigene polarisierenden Aussagen zu Geflüchteten.
Die Ausstellung bleibt geöffnet und bietet eine Mischung aus Satire, Spektakel und Gesellschaftskritik. Die Besucher verlassen sie ohne Fotos – nur mit der Erinnerung an ein Erlebnis, das zum Nachdenken und Diskutieren anregen soll. Das Haus der Kulturen der Welt betont erneut sein Bekenntnis, einen geschützten Raum zu bewahren, auch wenn die Schau weiterhin Grenzen auslotet.






