Coca-Cola-Chef Galvin zerpflückt Deutschlands Bürokratie und warnt vor Standortflucht
Hellmuth OrtmannCoca-Cola-Chef Galvin zerpflückt Deutschlands Bürokratie und warnt vor Standortflucht
John Galvin, der Deutschland-Chef von Coca-Cola Europacific Partners (CCEP), hat die hiesigen Wirtschaftsbedingungen scharf kritisiert. Er nannte überbordende Bürokratie, zähe Genehmigungsverfahren und steigende Kosten als zentrale Hindernisse für Unternehmen. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der die neu gebildete Koalitionsregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz Reformen ankündigt, um die schwächelnde deutsche Wirtschaft wiederzubeleben.
CCEP, das in Deutschland Marken wie Coca-Cola, Fanta und Sprite vertritt, setzt hierzulande jährlich 4,1 Milliarden Liter Getränke ab. Das Unternehmen beschäftigt rund 6.100 Mitarbeiter an 24 Standorten, sieht sich aber zunehmend mit Herausforderungen konfrontiert, die den Betrieb unter den aktuellen Rahmenbedingungen erschweren.
Galvin warf der Bundesregierung vor, trotz jüngster Bekundungen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nicht entscheidend zu verbessern. Er verwies auf explodierende Strompreise, hohe Lohnkosten und eine gestiegene Krankheitsquote als zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft. Besonders kritisierte er eine „Behördenmentalität“, die auf Regelkonformität statt auf Wachstumsförderung ausgerichtet sei.
Als Beispiele nannte er kleinere Projekte, die sich aufgrund mehrfacher Zuständigkeiten und komplexer Vorschriften zu langwierigen Verfahren auswuchten. Zwar begrüßte Galvin die Ankündigung von Kanzler Merz, die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu vereinfachen – doch betonte er, dass es nun auf Taten ankomme. Seine Worte deckten sich mit denen von BDI-Präsident Peter Leibinger, der die aktuelle Wirtschaftslage als die tiefste Krise seit Gründung der Bundesrepublik bezeichnete.
Die nach der Wahl 2025 gebildete Koalition hat bereits Maßnahmen angekündigt, um die Kritikpunkte anzugehen. Dazu zählen Steuerentlastungen für Unternehmen, eine „Bürokratieabbauinitiative“ zur Entflechtung überflüssiger Vorschriften, beschleunigte Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte sowie Entlastungen bei den Energiekosten. Galvin zeigte sich jedoch skeptisch und verwies darauf, dass man an Taten und nicht an Absichtserklärungen gemessen werde.
Trotz der Schwierigkeiten bekräftigte Galvin das Engagement von CCEP in Deutschland. Das Unternehmen habe keine Pläne, die Produktion ins Ausland zu verlagern – ein Zeichen für vorsichtigen, aber nachhaltigen Investitionswillen.
Die von der Regierung geplanten Reformen zielen darauf ab, die seit Langem von Wirtschaftsvertretern wie Galvin und Leibinger benannten strukturellen Probleme zu lösen. Sollten die Vorhaben umgesetzt werden, könnten sie die regulatorischen Hürden verringern und die Kosten für Unternehmen senken. Bis dahin bleiben Firmen wie CCEP in Deutschland aktiv – ihre Geduld hängt jedoch von spürbaren Fortschritten ab.






