Dichand-Familie übernimmt volle Kontrolle der Kronen Zeitung nach Jahrzehnten
Klothilde BergerDichand-Familie übernimmt volle Kontrolle der Kronen Zeitung nach Jahrzehnten
Christoph Dichand, Verleger der österreichischen Kronen Zeitung, hat die Zustimmung erhalten, die Anteile der Funke-Mediengruppe zu übernehmen. Mit diesem Schritt würde seine Familie die volle Kontrolle über die Zeitung erlangen – ein langjähriges Ziel, das mit dem Erbe seines verstorbenen Vaters, Hans Dichand, verbunden ist.
Der Deal markiert einen Wendepunkt für eine der einflussreichsten Boulevardzeitungen Europas, die vor über sechs Jahrzehnten gegründet wurde. Hans Dichand hatte die Kronen Zeitung 1959 mit finanzieller Unterstützung von Kurt Falk ins Leben gerufen, der bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil hielt. Nach Falks Ausscheiden blieb die Familie Dichand zwar Mehrheitsgesellschafter, sah sich aber weiterhin Spannungen mit deutschen Medienpartnern ausgesetzt.
Christoph Dichand erbte nicht nur die Anteile seines Vaters, sondern auch dessen Konflikte mit den Miteigentümern. Die Beteiligung der Funke-Gruppe geht auf die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) zurück, die 1948 vom Journalisten Jakob Funke, Sohn eines Krupp-Schlossers, gegründet worden war. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die WAZ zum größten regionalen Zeitungsverlag Deutschlands und prägte durch ihr Engagement bei Mediaprint auch die österreichische Medienlandschaft.
Mediaprint, ein 1988 gegründetes Joint Venture zwischen der Kronen Zeitung, dem Kurier und der WAZ, steht seit Jahren in der Kritik. Branchenbeobachter vermuten, dass die mit der österreichischen ÖVP verbundene Raiffeisen-Gruppe Einfluss auf den Kurier nehmen wollte. Angesichts sinkender Auflagen im Printbereich und des wachsenden Digitalmarkts bleibt die Zukunft von Mediaprint jedoch ungewiss.
Der Vorstoß der Familie Dichand zur vollständigen Übernahme erfüllt einen langgehegten Wunsch von Hans Dichand, der die Kronen Zeitung zur dominierenden Zeitung Österreichs aufgebaut hatte. Wird der Deal abgeschlossen, endet damit eine jahrzehntelange geteilte Kontrolle mit deutschen Investoren.
Die Übernahme würde die Kronen Zeitung vollständig unter die Kontrolle der Familie Dichand stellen und externe Einflüsse ausschalten. Angesichts des Niedergangs der Printmedien werden die nächsten Schritte der Zeitung ihre Rolle auf dem sich wandelnden österreichischen Medienmarkt bestimmen. Gleichzeitig wirft der Deal Fragen zur Zukunft von Mediaprint und seinen verbleibenden Partnern auf.






