30 December 2025, 22:21

Digitaler Rückstand: Warum die Deutsche Bahn an der Grenze zum Stillstand kommt

Voller Bahnsteig mit mehreren Zügen auf den Gleisen und vielen Menschen auf dem Bahnsteig.

Digitaler Rückstand: Warum die Deutsche Bahn an der Grenze zum Stillstand kommt

Eine Güterzugfahrt von den Niederlanden nach Deutschland offenbart die eklatanten Unterschiede bei der Digitalisierung der Schieneninfrastruktur. Hans Blom, ein erfahrener Lokomotivführer, erlebt auf seiner Route über die Grenze Verzögerungen und veraltete Systeme – ein Symbol für die zögerliche Modernisierung des deutschen Schienennetzes.

Blom steuert einen 700 Meter langen Güterzug mit 50 Containern vom Rangierbahnhof Kijfhoek in den Niederlanden nach Duisburg. Seine Fahrt beginnt in der hochmodernen Betuwe-Region, wo die Strecke ausschließlich dem Güterverkehr vorbehalten ist – ohne Bahnhöfe oder Bahnübergänge. Die Signale werden digital übertragen, was einen reibungslosen Betrieb ermöglicht.

Doch sobald der Zug die Grenze zur Deutschen Bahn überquert, muss Blom auf herkömmliche Lichtsignale am Streckenrand umstellen. Dieser Wechsel markiert einen technologischen Rückschritt, denn das deutsche Schienennetz hinkt hinterher. Hinzu kommen zahlreiche Umleitungen und Baustellen, von denen manche kurzfristig eingerichtet werden, weil plötzlich Schäden an den Gleisen auftreten. Die Verzögerungen spiegeln die grundlegenden Probleme der deutschen Schieneninfrastruktur wider: Nur 500 Kilometer des Netzes – etwa 1,5 Prozent – sind mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) ausgestattet, das langfristig eine Standardisierung der Abläufe und Automatisierung ermöglichen soll. Doch die Deutsche Bank hat ihre Digitalisierungspläne zurückgeschraubt und begründet dies mit dem maroden Zustand der Gleise. Sowohl die Bahn als auch das Bundesverkehrsministerium räumen ein, dass die Mittel für die Digitalisierung des Schienennetzes unzureichend waren – selbst bewilligte Gelder blieben oft ungenutzt.

Seit Oktober 2025 leitet Evelyn Palla als Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank eine grundlegende Umstrukturierung des Konzerns. Ab Januar 2026 wird die Infrastrukturtochter DB InfraGO AG dezentralisiert und verschlankt, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Die Fahrt von den Niederlanden nach Deutschland zeigt die Herausforderungen eines veralteten Schienensystems. Mit nur einem Bruchteil modernisierter Strecken sind Verspätungen und Ineffizienzen an der Tagesordnung. Die unter Pallas Führung angestoßene Reform soll den Fortschritt beschleunigen – doch der Weg dorthin bleibt lang.

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