Düsseldorfs Fiftyfifty kämpft ums Überleben – Verkaufszahlen brechen ein
Oswin MosemannDüsseldorfs Fiftyfifty kämpft ums Überleben – Verkaufszahlen brechen ein
Fiftyfifty, ein Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen in Düsseldorf vertrieben wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die monatliche Auflage ist von 40.000 auf weniger als 12.000 Exemplare gesunken. Der Rückgang spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider – verschärft durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen, insbesondere gegenüber denen mit Migrationshintergrund.
Gegründet von Hubert Ostendorf, dient das Magazin sowohl als Einnahmequelle für Obdachlose als auch als Plattform für gesellschaftliches Engagement. Es deckt Missstände auf, kämpft gegen Diskriminierung und finanziert wichtige soziale Projekte wie Wohninitiativen und die medizinische Versorgung streunender Hunde.
Fiftyfifty erscheint in gedruckter und digitaler Form. Die Verkäufer:innen erhalten die Hälfte des Verkaufspreises pro Exemplar, der Rest fließt in soziale Programme. Die Variante fiftyfifty-ObdachLOS funktioniert wie eine Rubbellos-Karte und garantiert so Transparenz bei den Einnahmen.
Um die steigenden Kosten auszugleichen, wurde der Preis für Fiftyfifty auf 3,40 Euro erhöht. Dennoch gehen die Verkaufszahlen weiter zurück. Dieser Trend zeigt sich bundesweit: Mindestens fünf große Straßenzeitungen – darunter Berlins Straßenfeger und Münchens Münchner Straßenzeitung – verzeichneten seit 2015 einen Rückgang der Verkäufe um 40 bis 60 Prozent. Viele setzen inzwischen auf Crowdfunding, Kooperationen mit Apps und subventionierte Digitalabos, um zu überleben.
Über die finanzielle Unterstützung hinaus schafft das Magazin ein Zugehörigkeitsgefühl für die Verkäufer:innen. Es verbindet sie direkt mit Leser:innen und der Gesellschaft und hilft, Stigmatisierung abzubauen. Ohne Fiftyfifty würden essenzielle Hilfsprogramme und Wohnungsinitiativen wichtige Finanzquellen verlieren.
Andere Straßenmagazine haben sich angepasst, etwa durch Online-Kampagnen oder die Zusammenarbeit mit NGOs wie Caritas. Diese Initiativen zielen darauf ab, sowohl die finanziellen als auch die gesellschaftlichen Probleme zu bewältigen – von Integrationsprogrammen bis hin zu Wohnraumhilfen. Doch die zentrale Herausforderung bleibt: den Verkäufer:innen ein würdevolles Einkommen in einem zunehmend feindseligen Umfeld zu ermöglichen.
Die Zukunft von Fiftyfifty hängt davon ab, wie es gelingt, steigende Kosten und sinkende Verkäufe in Einklang zu bringen. Sein Fortbestand ist entscheidend für die Obdachlosen-Community in Düsseldorf – nicht nur als Einnahmequelle, sondern auch als Stimme und Fürsprecherin. Ohne das Magazin wären wichtige Projekte und die Würde der Verkäufer:innen noch stärker gefährdet.