EU-Recht auf Reparatur: Warum Händler und Kunden noch skeptisch bleiben
Klothilde BergerEU-Recht auf Reparatur: Warum Händler und Kunden noch skeptisch bleiben
EU-„Recht auf Reparatur“: Seit Juli 2024 in Kraft – doch Hürden bleiben
Seit Juli 2024 gilt in der EU die neue „Recht auf Reparatur“-Verordnung, die Reparaturen von defekten Elektro- und Haushaltsgeräten erleichtern soll. Doch Händler und Hersteller zeigen sich besorgt: Sie fürchten steigende Kosten und eine unzureichende Kapazität, um die wachsende Nachfrage nach Reparaturen zu bewältigen.
Laut der Richtlinie müssen die Mitgliedstaaten die Vorgaben bis Juli 2026 in nationales Recht umsetzen. Doch das Bewusstsein der Verbraucher für die Neuregelung ist noch gering: Nur 44 Prozent kennen die Bestimmungen. Viele Kunden scheuen bereits jetzt die Reparaturkosten – 70 Prozent empfinden sie im Vergleich zum Neukauf als zu hoch.
Für Unternehmen gestaltet sich die Lage schwierig: 68 Prozent der Händler rechnen mit höheren Reparaturkosten, verursacht durch teurere Ersatzteile und gestiegene Personalkosten. Gleichzeitig erwarten 62 Prozent, dass die Preise für Neugeräte steigen werden, um die zusätzlichen Ausgaben auszugleichen. Auch die Hersteller blicken skeptisch in die Zukunft: 63 Prozent gehen davon aus, dass Reparaturen für Kunden teurer werden.
Ein weiteres Problem ist die Kapazität: Fast drei Viertel der Händler (74 Prozent) geben zu, dass ihnen qualifiziertes Personal fehlt, um einen Anstieg der Reparaturanfragen zu bewältigen. Auch das Verhalten der Verbraucher spielt eine Rolle – jeder Vierte entscheidet allein anhand der Kosten, ob er ein Gerät reparieren lässt. Im Schnitt sind Kunden nur bereit, bis zu 22 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises für eine Reparatur auszugeben.
Ziel der Verordnung ist es, die Lebensdauer von Geräten zu verlängern und Abfall zu reduzieren. Doch höhere Reparatur- und Gerätepreise sowie begrenzte Reparaturkapazitäten könnten die Wirkung der Regelung beeinflussen. Händler, Hersteller und Verbraucher müssen sich anpassen, wenn die Vorschriften in der gesamten EU voll greifen.
