„Katzen!“: Wie Samtpfoten Kultur, Macht und Klischees prägen – eine Hamburger Ausstellung enthüllt überraschende Facetten
Klothilde Berger„Katzen!“: Wie Samtpfoten Kultur, Macht und Klischees prägen – eine Hamburger Ausstellung enthüllt überraschende Facetten
Eine neue Ausstellung in Hamburg erkundet die lange und vielschichtige Beziehung der Menschheit zu Katzen. Unter dem Titel „Katzen!“ zeigt die Schau, wie diese Tiere Kultur, Politik und den Alltag durch fünf zentrale Themen geprägt haben: niedlich, verehrt, nützlich, mächtig und (un)abhängig. Das Projekt hinterfragt dabei veraltete Klischees – darunter das frauenfeindliche Vorurteil der „katzenliebenden Kinderlosen“ – und stellt grundlegende ethische Fragen zum Zusammenleben.
Die Idee zu „Katzen!“ entstand, als Barbara Plankensteiner, Direktorin des Hamburger MARKK-Museums, die allgegenwärtige Präsenz von Katzen in den Medien, besonders auf sozialen Plattformen, bemerkte. Die Ausstellung vereint historische Artefakte, zeitgenössische Bilder und sogar von Besucher:innen eingereichte Fotos, um den Einfluss der Samtpfoten durch die Jahrhunderte nachzuzeichnen. Ein besonderes Highlight ist eine Uniform aus der Qing-Dynastie, verziert mit Tigermuster, die zeigt, wie Großkatzen seit jeher als Symbole der Macht gelten. Im 21. Jahrhundert tauchen Leoparden und Jaguare etwa bei Protesten in Lateinamerika auf – als Embleme indigenen und feministischen Widerstands.
Der begleitende Ausstellungskatalog deutet die Mensch-Katze-Beziehung als ethischen Gradmesser. Gleichzeitig entlarvt er das Klischee der „Verrückten Katzenfrau“ und legt dessen Wurzeln in geschlechtsspezifischen Vorurteilen offen. Doch die Schau geht über Symbolik hinaus: Sie würdigt auch die praktischen Rollen der Tiere – als Schädlingsbekämpfer:innen, Gefährt:innen oder sogar als Akteur:innen in der neoliberalen Selbstfürsorgekultur, wo ihr Beistand mit besserer psychischer Gesundheit in Verbindung gebracht wird. Eine dazugehörige Podcast-Folge, voraussichtlich am 11. Dezember 2025 von „Gegen die Stille“ veröffentlicht, vertieft die Frage, wie Haustiere die Gesellschaft prägen. Die Diskussion ergänzt die Ausstellungsthemen und unterstreicht die anhaltende Bedeutung von Katzen im menschlichen Leben.
Mit Exponaten, crowdgesourcten Bildern und kritischer Analyse offenbart „Katzen!“ , wie diese Tiere Räume der Zuneigung, der Autorität und des Aktivismus besetzen. Die Ausstellung ist noch im MARKK zu sehen und lädt Besucher:innen ein, über die vielfältigen Rollen von Katzen nachzudenken – vom Hausgenossen zum Kulturphänomen. Ihre Fragen zu Koexistenz und Repräsentation reichen dabei weit über die Museumsräume hinaus.






