10 February 2026, 20:50

Kölner Karneval verzichtet 2026 auf Putin-Satire – und löst damit internationale Debatte aus

Eine Seite aus einer russischen Zeitung mit einer Karikatur, die einen Mann in einem Anzug, einem langen Mantel und einem Hut auf einem Podest zeigt, umgeben von einer Menge, mit der Überschrift «Die russische Revolution».

Kölner Karnevalisten verteidigen das Fehlen eines Putin-Wagen bei der Rosenmontagsparade - Kölner Karneval verzichtet 2026 auf Putin-Satire – und löst damit internationale Debatte aus

Kölner Karnevalisten schließen Putin-Mottenwagen von Rosenmontagszug 2026 aus

Die Organisatoren des Kölner Karnevals haben beschlossen, in diesem Jahr keinen Wagen mit Putin-Bezug beim Rosenmontagszug 2026 zuzulassen. Die Entscheidung folgt auf jahrelange Kontroversen um die satirischen Darstellungen des russischen Präsidenten durch den Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly. Unterdessen haben russische Behörden die Konfrontation eskaliert und ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet.

Der Verzicht auf einen Putin-Wagen erfolgte nach internen Beratungen der Zugverantwortlichen. Marc Michelske, der künstlerische Leiter des Kölner Umzugs, verteidigte den Schritt und betonte, es handle sich nicht um einen Fehler – Tilly könne Putin-Themen künftig eigenständig aufgreifen. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, unterstützte die Entscheidung und verwies auf das Recht des Leiters, Motive frei zu wählen.

Russische Behörden gehen juristisch gegen Tilly vor und werfen ihm vor, staatliche Institutionen – darunter Armee und Präsident – verunglimpft zu haben. Ein Moskauer Gericht hat ein Strafverfahren in Abwesenheit eröffnet, da seine Skulpturen, etwa eine Darstellung aus dem Jahr 2025, die Patriarch Kirill in einer kompromittierenden Pose mit einer Putin-Figur zeigt, angeblich religiöse Gefühle verletzt hätten. Der auf Ende Februar 2026 vertagte Prozess gilt als politisch motivierter Einschüchterungsversuch. Tilly, der seit Jahren unter Todesdrohungen leidet, meidet mittlerweile Reisen aus Sorge vor einer möglichen Auslieferung.

Tillys Wagen haben in Russland wiederholt Empörung ausgelöst. Seit 2009 karikiert er Putin in seinen Entwürfen – etwa 2023 als ausgestelltem Präsidenten, 2024 in Tarnkleidung oder 2025 im Wagen Hitler-Stalin-Pakt 2.0, der Putin, Trump und Selenskyj zeigte. Moskau wirft ihm vor, mit diesen Werken "Falschinformationen" über das Militär zu verbreiten und den Präsidenten zu beleidigen.

Der diesjährige Kölner Zug setzt stattdessen auf andere Ziele, darunter den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und deutsche Innenpolitik. Tilly lässt sich von den Drohungen nicht beirren, arbeitet weiter – muss aber mit strengeren Reisebeschränkungen leben.

Das Moskauer Verfahren markiert eine neue Stufe der Auseinandersetzung um Tillys satirische Kunst. Während die Kölner Organisatoren umlenken, zeigt der juristische Konflikt die Risiken politischer Satire in einem zunehmend angespannten internationalen Klima. Die auf 2026 vertagte Verhandlung wird entscheiden, ob der Prozess in Abwesenheit Tillys fortgeführt wird.

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