Langzeitarbeitslose fühlen sich von Jobcentern im Stich gelassen – trotz Reformplänen
Hellmuth OrtmannFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Langzeitarbeitslose fühlen sich von Jobcentern im Stich gelassen – trotz Reformplänen
Eine neue Umfrage offenbart tiefe Frustration unter den Langzeitarbeitslosen in Deutschland über die Unterstützung, die sie von den Jobcentern erhalten. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass die Besuche dort kaum etwas an ihren Berufsaussichten verbessert hätten. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung plant, die Sozialleistungsregeln im nächsten Jahr grundlegend zu reformieren.
Die von der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Studie befragte über 1.000 arbeitslose Menschen zwischen 25 und 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Sie zeigt anhaltende Hindernisse auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt und fordert einen grundlegenden Wandel in der Arbeitsweise der Jobcenter.
Zwischen dem 15. April und dem 18. Juni 2025 sammelten die Forscher Antworten von Langzeitarbeitslosen in ganz Deutschland. Zwar bewerteten über zwei Drittel das Personal der Jobcenter als kompetent und hilfsbereit, doch 46 Prozent der Befragten nannten mehrere Hürden, die einer Beschäftigung im Weg stehen. Gesundheitsprobleme, veraltete Qualifikationen und fehlende Abschlüsse zählten zu den häufigsten Barrieren.
Die Umfrage ergab zudem, dass 46 Prozent der Teilnehmer den Eindruck hatten, ihre Besuche in den Jobcentern brächten keinen spürbaren Nutzen. Trotz dieser Unzufriedenheit empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, die Zentren sollten stärker auf eigeninitiierte Stellensuchen drängen – selbst wenn dies die Zufriedenheit der Kunden verringert. Bei Personen ohne gravierende Vermittlungshemmnisse, so das Argument, könnten strengere Anforderungen zu besseren Ergebnissen führen.
Der deutsche Arbeitsmarkt hat in den letzten Jahren Rückschläge erlebt. Noch vor der Einführung des Bürgergelds im Januar 2023 war die Langzeitarbeitslosigkeit schrittweise gesunken – von 45,5 Prozent im Jahr 2018 auf etwa 42 Prozent im Jahr 2022. Doch die wirtschaftliche Abkühlung, steigende Inflation und Fachkräftemangel haben diese Fortschritte zunichtegemacht. Bis 2025 stieg der Anteil der Langzeitarbeitslosen auf 47,5 Prozent, während die Gesamtarbeitslosigkeit 6,5 Prozent erreichte.
Als Reaktion darauf hat der Bundestag eine Sozialreform beschlossen, die am 1. Juli 2026 in Kraft treten soll. Das neue System wird das Bürgergeld durch strengere Regeln ersetzen, darunter schärfere Sanktionen für diejenigen, die nicht mit den Jobcentern kooperieren. Die Bertelsmann Stiftung plädiert dafür, den Fokus stärker auf Beratung, Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Arbeitsvermittlung zu legen, um die Erfolgsquoten zu steigern.
Die Reform zielt darauf ab, langjährige Probleme im deutschen Sozialsystem zu lösen. Mit verschärften Auflagen und möglichen Kürzungen bei Nichteinhaltung wird sich zeigen, ob ein härterer Kurs die Langzeitarbeitslosigkeit verringern kann. Die Jobcenter stehen nun unter Druck, ihre Methoden anzupassen und wirksamere Unterstützung zu leisten.






