12 February 2026, 16:30

Mainzer Faschingssitzung 2026 bricht mit Traditionen – schärferer Witz und erste Protokollführerin

Plakat für ein Bierfest in Deutschland, das eine Gruppe von Menschen zeigt, einige halten Biergläser, mit einem Fass im Hintergrund und deutschem Text unten.

Frauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Faschingssitzung 2026 bricht mit Traditionen – schärferer Witz und erste Protokollführerin

Die Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht-Faschingssitzung hat in diesem Jahr Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrhunderten führt mit Christina Grom eine Frau durch das Protokoll der Veranstaltung. Die Ausgabe 2026 markiert zudem Jürgen Wiesmanns 25. Auftritt als Ernst Lustig, eine der beliebtesten Karnevalsfiguren der Session.

Die politische Satire der Show hat in diesem Jahr einen schärferen Ton angeschlagen als in den vergangenen Jahrzehnten. Während frühere Ausgaben sich noch über Politiker wie Helmut Kohl oder Gerhard Schröder witzig machten, zielten die diesjährigen Spitzen gegen Friedrich Merz, Markus Söder und Donald Trump deutlich härter – ein Spiegel der heute polarisierteren gesellschaftlichen Stimmung.

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Christina Groms Debüt als Protokollführerin brach mit einer Tradition, die bis ins Jahr 1826 zurückreicht. Ihr Auftritt umfasste mutige satirische Seitenhiebe gegen prominente Politiker. Ein Bonmot unterstellte, der Himmel solle Trumps "aufgeblähten Kopf" mit der Gutenberg-Bibel "zurück auf Normalmaß bringen". Auch Kanzler Merz und Bayerns Ministerpräsident Söder mussten sich beißenden Spötteleien stellen – ein Zeichen für den Wandel der Revue hin zu persönlicherer und aggressiverer Komik.

Der Tonwechsel steht im Kontrast zu früheren Jahren. In den 1980er- bis 2000er-Jahren blieb die Satire der Veranstaltung eher allgemein und heiter, machtpolitische Themen wurden mit leichter Hand aufgegriffen. Die jüngsten Ausgaben jedoch, insbesondere seit 2024, setzen auf eine schärfere Gangart – passend zu den wachsenden populistischen Spannungen.

Unterdessen kehrte Jürgen Wiesmann in seiner Paraderolle als Ernst Lustig auf die Bühne zurück, die er seit 1998 verkörpert. Seine langjährige Präsenz verleiht der sich stilistisch weiterentwickelnden Show Kontinuität. Beim Finale verabschiedete sich Andreas Schmitt, ein erfahrener Moderator, als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms. In seinem letzten Auftritt forderte er Papst Leo XIV. scherzhaft auf, sich für Gleichberechtigung in der katholischen Kirche einzusetzen.

Die Faschingssitzung 2026 markiert einen Wendepunkt für Mainz bleibt Mainz. Groms Führung und die pointiertere Satire zeigen den Bruch mit der Tradition, während Wiesmanns Jubiläumsauftritt die Verbindung zur Vergangenheit stärkt. Die Schlusssequenz mit Schmitts Plädoyer für Kirchenreform unterstreicht zudem die Mischung aus Humor und gesellschaftskritischem Kommentar.

Eines macht diese Ausgabe deutlich: Der politische Biss der Revue wird immer schärfer.