NRW-CDU stellt Merz' Führung infrage – und legt radikales Reformpaket vor
Klothilde BergerNRW-CDU stellt Merz' Führung infrage – und legt radikales Reformpaket vor
In der CDU wächst die Unzufriedenheit mit der Richtung der Bundesführung. Parteimitglieder in Nordrhein-Westfalen (NRW) kritisieren Bundeskanzlerkandidat Friedrich Merz und sein Team wegen ausbleibender Ergebnisse und zu vieler unausgereifter Vorschläge. Die Verärgerung reicht sogar bis in Merz' Heimatregion Sauerland, wo lokale Gliederungen klarere Handlungen fordern.
Als Reaktion hat die NRW-CDU vor dem Bundesparteitag ein mutiges Reformpaket vorgelegt. Ihr 11-Punkte-Antrag umfasst 26 konkrete Forderungen – darunter die umstrittene Idee, Kindergeldzahlungen an die Lebenshaltungskosten des EU-Landes zu koppeln, in dem das Kind lebt. Ein weiterer harter Vorschlag mit dem Titel "Sozialbetrug konsequent bekämpfen" hat innerhalb der Partei ebenfalls für Diskussionen gesorgt.
Die Spannungen zwischen NRW und Berlin spiegeln eine breitere Unzufriedenheit wider. Kerstin Brauer, Vorsitzende der Frauen-Union in Olpe, betont, dass Wählerinnen und Wähler lokale Politik wichtiger finden als bundespolitisches Getöse. Gleichzeitig fordert Jan Luca Engelmann, Chef des CDU-Stadtverbandes Oedingen, die Partei auf, sich auf umsetzbare Ziele zu konzentrieren – statt unkoordiniert einzelne Ideen in den Raum zu werfen.
Die NRW-Führung hält sich bei den umstrittensten Vorschlägen zurück. Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich nicht hinter kontroverse Ideen wie "Lifestyle-Teilzeit", eine 48-Stunden-Woche oder zahnärztliche Leistungen ohne Eigenbeteiligung gestellt – allesamt vom Mittelstandsverband der CDU ins Spiel gebracht. Stattdessen setzt seine Landesregierung auf pragmatische Reformen und erhält dafür Lob von Landesvertretern.
Paul Ziemiak, Generalsekretär der NRW-CDU, hat die internen Streitigkeiten in Berlin offen kritisiert. Er fordert schnellere Fortschritte und stellt die Bilanz der Landesregierung unter Wüst dem Zögern der Bundesführung gegenüber. Dennoch gibt es trotz des Reformdrucks bisher keine öffentliche Unterstützung der 26 Forderungen durch Wüsts Regierung.
Der Streit über die Sozialpolitik bleibt ungelöst. Während die NRW-CDU für strengere Kontrollen bei Sozialleistungen und zielgenaue Unterstützung wirbt, fragen sich manche Mitglieder, ob die Vorschläge Anklang finden – oder die Gräben in der Partei nur vertiefen werden.
Nun steht die CDU vor einer Bewährungsprobe auf dem Bundesparteitag in Stuttgart. Der NRW-Landesverband hat eine detaillierte Reformagenda vorgelegt, doch ihr Erfolg hängt davon ab, ob Berlin die Vorschläge aufgreift oder am bisherigen Kurs festhält. Vorerst bleibt die Kluft zwischen lokalen Erwartungen und bundespolitischer Umsetzung für viele Parteimitglieder ein Grund zur Ungeduld – sie warten auf Taten statt Worte.






