04 February 2026, 06:30

NRW führt ABC-Klassen ein – doch Schulen warnen vor Überlastung und fehlenden Ressourcen

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel, was darauf hindeutet, dass sie auf dem Weg zu einer Schule in Deutschland sind.

NRW führt ABC-Klassen ein – doch Schulen warnen vor Überlastung und fehlenden Ressourcen

Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende 'ABC-Klassen' für Kinder mit Sprachdefiziten ein. Kinder, die in frühen Sprachtests schlechte Ergebnisse erzielen, sollen in Nordrhein-Westfalen künftig verpflichtend sogenannte ABC-Klassen besuchen. Das Vorhaben zielt darauf ab, sicherzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler mit ausreichenden Deutschkenntnissen die Schule beginnen. Doch Schulen und Kommunen warnen, der Plan sei unterfinanziert und könnte die ohnehin angespannte Situation weiter verschärfen. Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) betonte, kein Kind solle ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult werden. Um dies zu erreichen, werden Kinder mit Sprachförderbedarf in speziellen ABC-Klassen unterrichtet. Kritiker halten die Maßnahme jedoch für einen bloßen Problemtransfer – von den Kitas in die bereits überlasteten Grundschulen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Solingen äußert Zweifel an der Umsetzbarkeit des Konzepts. Viele Schulen in der Region arbeiten bereits am Limit, Lernräume und Nachmittagsbetreuung sind oft in Provisorien wie Containern untergebracht. Die Unterbringung zusätzlicher ABC-Klassen stellt eine enorme Herausforderung dar – ebenso wie die fehlenden Mittel für Bau- oder Planungsmaßnahmen. Laut Landesregierung werden bis 2026 etwa 3.500 bis 4.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, um die ABC-Klassen flächendeckend an Grundschulen einzuführen. Angesichts des bestehenden Lehrkräftemangels ist jedoch unklar, wer die zusätzliche Förderung übernehmen soll. Zudem wirft der mehrmalige wöchentliche Transport der Kinder zwischen Kitas und Schulen logistische Fragen auf – ob dies realistisch zu bewältigen ist, bleibt fraglich. Sozialpädagoginnen und -pädagogen, die bereits jetzt an ihre Belastungsgrenzen stoßen, fürchten, die zusätzliche Arbeitslast könnte sie an den Rand der Überforderung bringen. Expertinnen und Experten warnen, dass ohne ausreichende Ressourcen die Bildungsqualität für alle Schülerinnen und Schüler leiden könnte. Ziel der ABC-Klassen ist es, Sprachdefizite zu beheben, bevor Kinder die reguläre Schulzeit beginnen. Doch ohne ausreichende Finanzierung, Personal oder Räumlichkeiten bleibt der Erfolg des Vorhabens ungewiss. Schulen und Kommunen stehen nun vor der Aufgabe, die Vorgaben unter schwierigen Rahmenbedingungen umzusetzen.

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