23 January 2026, 22:20

NRW will mit grünem Wasserstoff Europas erste klimaneutrale Industrieregion werden

Eine Säulendiagramm, das die Stromerzeugung der Bundesländer nach Brennstoffquellen im Jahr 2022 zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Dateninformationen bereitstellt.

NRW will mit grünem Wasserstoff Europas erste klimaneutrale Industrieregion werden

Nordrhein-Westfalen drängt darauf, die erste klimaneutrale Industrieregion Europas zu werden – mit Wasserstoff als zentralem Baustein seiner Pläne. Das Bundesland will fossile Brennstoffe in energieintensiven Branchen ersetzen, in denen eine Elektrifizierung kaum möglich ist, etwa in der Stahl-, Chemie- und Ziegelindustrie. Doch eine entscheidende Hürde bleibt: die Schließung der Kostenschere zwischen grünem Wasserstoff und herkömmlichen Energieträgern.

Wasserstoff gilt als unverzichtbar für Industrien wie Zement, Glas und Stahl, wo hohe Temperaturen und Energiebedarf eine Umstellung auf Strom schwierig machen. Projekte wie Trailblazer in Oberhausen und REFYNE in Wesseling versorgen bereits jetzt lokale Fabriken und Verkehrsnetze mit grünem Wasserstoff. Gleichzeitig hat das Janinhoff-Ziegelwerk in Münster gezeigt, wie traditionelle Produktion umweltfreundlicher werden kann – durch den Umstieg auf wasserstoffbetriebene Brennöfen.

Das größte Hindernis sind die Kosten. Grüner Wasserstoff ist nach wie vor teurer als fossile Alternativen, was eine Lücke zwischen den Preisen der Hersteller und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer schafft. Instrumente wie Klimaschutzverträge (Carbon Contracts for Difference), bei denen der Staat die Mehrkosten für CO₂-arme Lösungen übernimmt, sollen diese Kluft überbrücken. Öffentliche Beschaffung und Ausschreibungen helfen zudem, eine stabile Nachfrage zu schaffen und die Preise zu drücken. Um die Wasserstoffversorgung langfristig zu sichern, erfasst das Land den künftigen Bedarf, plant die Infrastruktur und lotet dezentrale Produktionsmöglichkeiten aus. Die H2.NRW-Wasserstoffkoordinierungsstelle fungiert dabei als zentrale Anlaufstelle und unterstützt bei Förderung, Projektentwicklung und Vernetzung.

Die zentrale Lage Nordrhein-Westfalens, der wachsende erneuerbare Energiesektor und die politische Rückendeckung stärken seine Position als möglicher Vorreiter in Europas Wasserstoffwirtschaft. Mit dem Fokus auf Wasserstoff will das Land die Emissionen in Branchen senken, die bisher auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Durch finanzielle Anreize und öffentliche Aufträge soll grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig werden. Gelingt dies, könnte die Region zum Vorbild für andere Industriegebiete in Europa werden.

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