Nur noch 15 Prozent der Studierenden erhalten 2024 staatliche Förderung – mit dramatischen Folgen
Oswin MosemannStudie: Nachfrage nach staatlich finanzierter studentischer Unterstützung sinkt weiter - Nur noch 15 Prozent der Studierenden erhalten 2024 staatliche Förderung – mit dramatischen Folgen
Immer weniger Studierende in Deutschland erhalten 2024 staatliche Förderung
Nur noch 15,1 Prozent der Studierenden in Deutschland erhielten 2024 finanzielle Unterstützung vom Staat – ein Rückgang um 1,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Expert:innen warnen, dass dieser Trend immer mehr Studierende in die private Finanzierung drängen könnte, was sich negativ auf ihren akademischen Werdegang auswirken dürfte.
In diesem Jahr bezogen lediglich 326.000 Studierende (11,4 Prozent) BAföG, die wichtigste staatliche Förderleistung. Weitere 44.000 (1,4 Prozent) nahmen zinsgünstige Studienkredite der KfW in Anspruch, während 69.000 (2,4 Prozent) ein Stipendium erhielten. Einzig das Deutschlandstipendium verzeichnete einen leichten Anstieg bei den Geförderten.
Besonders prekär ist die Lage in Thüringen: Dort sind mittlerweile rund 90 Prozent der Studierenden auf private Mittel angewiesen. Ulrich Müller, Leiter der politischen Analyse beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), spricht von einer "lang anhaltenden Krise" des Systems. Er kritisiert, dass 89 Prozent der Studierenden komplett ohne BAföG auskommen müssen.
Müller betont, dass die aktuelle Struktur viele Studierende zwingt, lange Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen oder Schulden zu machen. Dies führe zu längeren Studienzeiten, eingeschränkter Fachwahl und höheren Abbrecherquoten. Seine Lösung: BAföG, KfW-Kredite und Bildungsgutscheine sollten zu einem einheitlichen, flexiblen Bundesfördermodell zusammengefasst werden.
Ohne Reformen, so Müller, werde sich die Situation verschärfen – und Studierende könnten sich weiterhin nicht voll auf ihr Studium konzentrieren.
Die sinkende staatliche Unterstützung macht die Mehrheit der Studierenden von privaten Geldgebern abhängig. Da weniger als jede:r Sechste Förderung erhält, werden die Forderungen nach einem vereinfachten System immer lauter. Die Folgen – längere Studienzeiten, weniger Wahlmöglichkeiten und mehr Abbrüche – bleiben eine centrale Sorge für 2024 und die kommenden Jahre.






