Opernhäuser zwischen Kunstanspruch und Instagram-Lifestyle: Werden Sponsoren wichtiger als die Musik?
Hellmuth OrtmannOpernhäuser zwischen Kunstanspruch und Instagram-Lifestyle: Werden Sponsoren wichtiger als die Musik?
Europas große Opernhäuser stehen wegen ihrer Instagram-Strategien in der Kritik. Ihre Social-Media-Auftritte konzentrieren sich stärker auf Lifestyle und Sponsoring als auf die Opernkunst selbst. Dieser Wandel wirft Fragen auf, wie diese Institutionen ihre eigene Arbeit und ihr Publikum wahrnehmen.
Das Festspielhaus Baden-Baden wirbt auf Instagram mit „klassischer Musik und Spritz“, während Moderatoren unbeholfen versuchen, trendig zu wirken. Die Wiener Staatsoper präsentiert mit Hemma und Jakob den Spielort als Freizeitpark oder Restaurant. Lediglich die Bayerische Staatsoper hebt sich ab, indem sie den Fokus auf die Musik legt – mit Künstlern und Dirigenten, die über die Kunstform sprechen.
Andere Häuser setzen auf ganz eigene Konzepte. Bei Opera Bert sieht man einen Moderator unter der Dusche, während der Tenor Jonathan Tetelman stumm auf seine Rolle reagiert. Junge Influencer bewerben Drinks, Dresscodes und „Überlebenstipps“, als sprächen sie mit Anfängern. Tutorials zum Bestellen von Essen, Benimmregeln und Kleidung behandeln die Follower wie Kinder.
Die Staatsoper Berlin setzt vor allem auf Sponsorenpflege – BMW wird prominent erwähnt und vom Intendanten persönlich gedankt. Kritiker monieren, dass diese Accounts die Oper zu einem reinen Wohlfühlort reduzieren, bei dem Konsum und Unterhaltung über der Kunst stehen.
Die Inhalte dieser Profile deuten auf eine Fokussierung auf Lifestyle und kommerzielle Anziehungskraft hin. Doch diese Strategie droht, die Musik und die Aufführungen – das eigentliche Herzstück der Oper – in den Hintergrund zu drängen. Beobachter fragen sich, wie viel Vertrauen die Institutionen in ihre eigene Kunst und in das Verständnis ihres Publikums haben.
