13 March 2026, 14:09

Paderborn: 489 Missbrauchsfälle erschüttern das Erzbistum über Jahrzehnte

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Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Paderborn: 489 Missbrauchsfälle erschüttern das Erzbistum über Jahrzehnte

Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2022 aufgedeckt. Die Ergebnisse legen systemische Versäumnisse der katholischen Kirche in Deutschland offen, wobei 210 beschuldigte Täter identifiziert wurden. Bischof Udo Markus Bentz hat sich inzwischen bei den Überlebenden entschuldigt und die institutionellen Defizite der Kirche eingeräumt.

Der Bericht wirft zudem erneut Fragen zur Rolle des verstorbenen Kardinals Johannes Joachim Degenhardt auf, dem vorgeworfen wird, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben. Dies hat Forderungen laut werden lassen, Straßen umzubenennen, die ihn und seinen Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, ehren.

Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen und hatte bundesweit Bistümer dazu veranlasst, sich mit früheren Verfehlungen auseinanderzusetzen. In Paderborn zeigt die jüngste Untersuchung – veröffentlicht 2023 – das bisher bekannte Ausmaß der Taten auf: Fast 500 Fälle über sechs Jahrzehnte. Bischof Bentz bezeichnete die Ergebnisse als Beleg für ein tiefgreifendes institutionelles Versagen und bat die Opfer persönlich um Vergebung.

Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt, der das Erzbistum von 1974 bis 2002 leitete, waren in einer juristischen Prüfung durch die Kanzlei Feigen und Graf 2023 als nicht glaubwürdig eingestuft worden. Dennoch hat der Druck seitdem zugenommen. Reinhold Harnisch, Vertreter der Betroffenen, begrüßte Bentz' Entschuldigung als Schritt zur Wiederherstellung der Würde, forderte aber weitere Maßnahmen – darunter die Umbenennung der nach Degenhardt und Jaeger benannten Straßen.

Seit Veröffentlichung der Studie hat das Erzbistum Paderborn Schritte zur Bewältigung der Krise eingeleitet. 2024 wurde eine unabhängige Ombudsstelle eingerichtet, die Opfer unterstützt und Beschwerden bearbeitet. Transparenzmaßnahmen umfassen nun vierteljährliche öffentliche Berichte zu Missbrauchsfällen, während strukturelle Reformen – wie verpflichtende Schulungen für Kleriker und ein überarbeiteter Schutzcodex – bis Anfang 2025 umgesetzt wurden. Zudem kündigte das Erzbistum an, die Ermittlungen zu Degenhardts Rolle zu vertiefen.

Bisher wurden in ganz Deutschland 93 Millionen Euro Entschädigung an Überlebende gezahlt. Die laufenden Untersuchungen in Paderborn bleiben zwar eigenständig, stehen aber im Einklang mit den bundesweiten Bemühungen, die Kirche zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Erzbistum Paderborn setzt seine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle fort, mit besonderem Fokus auf Degenhardts Handeln. Strukturelle Veränderungen – darunter Opferschutzsysteme und öffentliche Berichterstattung – sind nun etabliert. Die Betroffenen haben bisher 93 Millionen Euro Entschädigung erhalten, doch die Forderungen nach weitergehender Aufklärung bestehen fort.

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