16 February 2026, 06:14

Rosenmontag in Deutschland: Warum dieser Karneval politischer wird als je zuvor

Ein großer goldener und roter Festwagen, der mit Blumen und anderen Dekorationen geschmückt ist, in einem Karnevalsumzug, mit einem Gebäude, Strommasten mit Drähten und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Feierwütige, zieht warm an! An Rosenmontag regnet es nicht nur Süßes - Rosenmontag in Deutschland: Warum dieser Karneval politischer wird als je zuvor

Deutschlands Karnevalssaison erreicht am Rosenmontag ihren Höhepunkt – mit großen Umzügen in mindestens sechs Großstädten. Von Kölns riesiger, süßigkeitenbeladener Parade bis zu Düsseldorfs berühmten Motivwagen werden die Feierlichkeiten trotz kühlem Wetter riesige Menschenmengen anziehen. Doch in diesem Jahr wird ein langjähriger Karnevalsfan die Festlichkeiten verpassen – ein beruflicher Auslandsaufenthalt steht an.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Unterdessen sorgt Jacques Tilly, Deutschlands provokativster Karnevalswagenbauer, für Kontroversen. Seine satirischen Motive in Düsseldorf haben ihn bereits mehrfach vor Gericht gebracht – diesmal verklagt ihn Russlands Präsident Wladimir Putin wegen seiner frechen Kreationen.

Die Rosenmontagsumzüge bleiben das Herzstück des deutschen Karnevals, wobei jede Stadt ihre eigenen Traditionen pflegt. Köln veranstaltet das größte Spektakel mit 12.000 Teilnehmern, die 300 Tonnen Süßigkeiten und 300.000 Blumensträuße ins Publikum werfen. Seit 1823 führt die Garde "Blaue Funken" den Zug an. Nicht weit entfernt zieht Düsseldorfs Umzug mit über 8.000 Mitwirkenden, aufwendigen Wagen und Blasorchestern durch die Stadt – begleitet von Europas größtem Kinderkarneval, bei dem selbstgebastelte Kostüme im Mittelpunkt stehen.

Auch Mainz und Bonn spielen eine zentrale Rolle. Mainz' verkehrsgünstige Lage macht die Stadt zu einem beliebten Treffpunkt, während Bonns Straßenkarneval mit ausgelassenen Partys weit über den Umzug hinausgeht. Weiter östlich setzen Nürnberg und Leipzig eigene Akzente: Nürnbergs Fastnachtsumzug startet um 13 Uhr mit bunten Wagen, die durch die Innenstadt ziehen. Leipzig, ein Karnevalshochburg in der ehemaligen DDR, verbindet Rosenmontagsbräuche mit einzigartigen Traditionen – etwa dem Kölner Weiberfastnachts-Brauch des Krawattenabschneidens.

Für eine Beobachterin ist der Karneval mit Kindheitserinnerungen verbunden. Aufgewachsen im Münsterland, einer Region mit vielen kleinen Karnevalshochburgen, erinnert sie sich an lokale Grußformeln wie "Festo" und "DeUnDa". Früher besuchte sie Büttenabende, die satirischen Sitzungen, und Rosenmontagsumzüge, doch irgendwann hatte sie genug vom Trubel. Jahre später gesteht sie, die Energie der "fünften Jahreszeit" zu vermissen – doch in diesem Jahr wird sie die Feiern aus der Ferne verfolgen, da sie beruflich im Ausland ist.

Die Wettervorhersage sagt für den Rosenmontag eine Mischung aus Schnee und Regen voraus, doch die Umzüge finden wie geplant statt. Der größere Sturm tobt jedoch anderswo: Jacques Tilly, bekannt für seine beißende politische Satire, muss sich wegen seiner Karnevalsmotive vor Gericht mit Putin auseinandersetzen. Der Fall verleiht einer ohnehin spektakulären Saison eine zusätzliche dramatische Note.

Trotz Kälte und Nässe werden die Rosenmontagsumzüge Millionen Menschen in ganz Deutschland zusammenbringen. Doch Tillys Rechtsstreit mit Putin sorgt dafür, dass dieser Karneval nicht nur für Konfetti und Kostüme in Erinnerung bleiben wird. Wer die Feiern verpasst, wird die Abwesenheit spüren – doch die Tradition wird ohne sie weiterleben.