Rückgang bei Ausbildungsverträgen: Mittlerer Niederrhein kämpft mit Fachkräftemangel
Klothilde BergerRückgang bei Ausbildungsverträgen: Mittlerer Niederrhein kämpft mit Fachkräftemangel
Ausbildungsverträge im Mittleren Niederrhein gehen zurück
Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in der Region Mittlerer Niederrhein ist in diesem Jahr gesunken. Bis Ende Oktober verzeichnete die IHK 3.538 abgeschlossene Verträge – ein Rückgang von 6,48 Prozent im Vergleich zu 2023. Experten warnen, dass strukturelle Veränderungen im Bildungssystem die Entwicklung in den kommenden Jahren weiter verschärfen könnten.
In Krefeld wurden 964 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet, ein leichter Rückgang um nur 0,52 Prozent. Im benachbarten Kreis Viersen war der Einbruch jedoch deutlicher: Hier gab es 612 Verträge, was einem Minus von 11,94 Prozent entspricht. Besonders gefragt waren Ausbildungsplätze als Kaufmann/-frau für Büromanagement, Chemikant:in sowie Verkäufer:in im Einzelhandel.
Hasan Klauser, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld, beschrieb den Ausbildungsmarkt als bewerberfreundlich: Es gebe mehr freie Ausbildungsstellen als junge Menschen, die sich darauf bewerben. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, ergänzte, dass Unternehmen, die Abiturienten einstellen wollen, künftig mit noch weniger Bewerbern rechnen müssten.
Ein Grund für die Entwicklung liegt in der Rückkehr Nordrhein-Westfalens zum neunjährigen Gymnasium (G9). Da 2026 voraussichtlich keine Schulabgänger mit Abitur zur Verfügung stehen, könnten Betriebe Schwierigkeiten haben, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Um gegenzusteuern, werben die IHK, die Kreishandwerkerschaft und die Bundesagentur für Arbeit verstärkt für eine Berufsausbildung. Arbeitgeber betonen weiterhin, dass die betriebliche Ausbildung der beste Weg sei, um qualifizierten Nachwuchs heranzubilden.
Der Rückgang bei den Ausbildungsverträgen spiegelt die größeren Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt wider. Da weniger Schulabgänger in den Beruf einsteigen, müssen Unternehmen ihre Rekrutierungsstrategien möglicherweise anpassen. Die Verantwortlichen setzen darauf, das Bewusstsein für die Berufsausbildung als attraktive Karriereoption zu stärken.






