Solingens Kirchen kämpfen ums Überleben – Emotionen kochen hoch bei Schließungsdebatte
Oswin MosemannSolingens Kirchen kämpfen ums Überleben – Emotionen kochen hoch bei Schließungsdebatte
In Solingen hat sich diese Woche eine hitzige Debatte entbrannt, als die evangelische Kirche eine öffentliche Versammlung zur Zukunft ihrer Gebäude abhielt. Über 350 Menschen versammelten sich im Bürgerhaus, um über mögliche Schließungen zu diskutieren – die Emotionen kochten hoch, da Gemeindemitglieder um den Erhalt ihrer örtlichen Kirchen kämpften. Die Kirche steht nun vor schwierigen Entscheidungen nach Jahren finanzieller Belastung und schrumpfender Mitgliederzahlen.
An der Versammlung nahmen Vertreter aller zehn Gemeinden Solingens teil. Viele sprachen mit Nachdruck und forderten die Verantwortlichen auf, ihre Kirchen vor der Schließung zu bewahren. Besonders gefährdet sind die kleineren Gemeinden – Widdert, Rupelrath, Merscheid und Ketzberg –, während größere wie Ohligs, Wald, Mitte und Dorp vorerst gesichert scheinen.
Aktuell unterhält die Kirche 13 aktive Kirchengebäude sowie neun Gemeinschaftszentren und Gemeindehäuser. Doch angesichts sinkender Mitglieder- und Personalzahlen geben die Verantwortlichen zu, dass sie sich den Erhalt aller Immobilien weder leisten noch rechtfertigen können. Langfristig soll bis 2035 die Hälfte aller kircheneigenen Gebäude abgestoßen werden – Teil einer Strategie, um klimaneutral zu wirtschaften.
Eine endgültige Entscheidung, welche Standorte geschlossen werden, wird bis Ende 2027 erwartet. Seit 2010 wurde zwar keine Kirche verkauft oder geschlossen, doch die finanziellen und strukturellen Belastungen haben nun einen kritischen Punkt erreicht.
Die Versammlung offenbarten tiefe Gräben zwischen Tradition und wirtschaftlicher Notwendigkeit. Mit dem Ziel, bis 2035 den Immobilienbestand deutlich zu reduzieren, muss die Kirche nun die emotionalen Bindungen der Gemeinden gegen die Anforderungen der Nachhaltigkeit abwägen. Die Folgen werden das religiöse Gesicht Solingens in den kommenden Jahren prägen.






