Stahlgiganten im Umbruch: Salzgitter setzt auf grünen Stahl, Thyssenkrupp kämpft mit Restrukturierung
Anto SchülerStahlgiganten im Umbruch: Salzgitter setzt auf grünen Stahl, Thyssenkrupp kämpft mit Restrukturierung
Die europäische Stahlindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel, da zwei Schlüsselfiguren gegensätzliche Wege einschlagen. Während Thyssenkrupp mit Volatilität und Umstrukturierungen kämpft, treibt Salzgitter ehrgeizige Pläne zur Dekarbonisierung voran. Für beide Unternehmen geht es bei ihren Transformationsstrategien um viel.
Thyssenkrupp bleibt ein weitverzweigter Mischkonzern, der von U-Booten über Autoteile bis hin zum Stahlhandel reicht. Mit seiner Zerschlagungsstrategie will das Unternehmen nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte abstoßen, doch die Umsetzung stockt. Anleger betrachten das Unternehmen als riskante Wette – die Aktie schwankt stark, und die Prognosen eines Nettoverlusts in dreistelliger Millionenhöhe belasten den Kurs. Dennoch sticht die Wasserstofftochter Nucera als globaler Vorreiter in der Elektrolyse hervor, einer Schlüsseltechnologie für grünen Stahl.
Salzgitter hingegen setzt konsequent auf Stahl. Das SALCOS-Projekt von Vorstandschef Gunnar Groebler zählt zu den konkretesten Dekarbonisierungsvorhaben Europas: Wasserstoffbasierte und Direktreduktionsanlagen sind bereits im Bau. Erst kürzlich sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag zur Lieferung von 1.000 Tonnen grüner Stahlschienen an die DB InfraGO bis Ende 2025. Die Aktie notiert nahe Rekordhochs – ein Zeichen für das Vertrauen in die Strategie, auch wenn das Unternehmen weiterhin konjunkturabhängig bleibt.
Auch finanziell unterscheiden sich die beiden Unternehmen deutlich. Salzgitter wirkt oft attraktiver bewertet, mit einer stabileren Dividendenhistorie. Die Übernahme von HKM beseitigte zwar Marktunsicherheiten, doch die Reaktionen der Anleger fielen gemischt aus. Thyssenkrupp Steel hat sich zwar verpflichtet, die Emissionen bis 2040 um 90 Prozent zu senken, doch wie das Ziel der vollständigen Klimaneutralität bis 2045 erreicht werden soll, bleibt unklar.
Salzgitters fokussierter Ansatz auf grünen Stahl und die Kontrolle der Lieferkette steht im Kontrast zu Thyssenkrupps breiter angelegter, aber riskanterer Umstrukturierung. Während das eine Unternehmen durch konkrete Dekarbonisierungspläne und Widerstandsfähigkeit überzeugt, hängt die Zukunft des anderen von der erfolgreichen Zerschlagung und der Nutzung von Nuceras Wasserstofftechnologie ab. Beide werden die Branche prägen – allerdings mit völlig unterschiedlichen Strategien.






