Streit um Arbeitszeiterfassung: Feller und GEW NRW liefern sich Wortgefecht über Lehrerbelastung
Hellmuth OrtmannStreit um Arbeitszeiterfassung: Feller und GEW NRW liefern sich Wortgefecht über Lehrerbelastung
In Nordrhein-Westfalen ist ein Streit über Pläne zur Erfassung der Arbeitszeiten von Lehrkräften entbrannt. Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) bezeichnete den Vorschlag als ein "schwieriges Thema" und deutete strengere Präsenzpflichten an. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte ihre Äußerungen scharf als realitätsfremd und ignorierend gegenüber der tatsächlichen Belastung der Lehrkräfte.
Feller argumentierte, dass vollbeschäftigte Lehrkräfte keiner übermäßigen Arbeitsbelastung ausgesetzt seien. Sie betonte, dass ein eventuelles Zeiterfassungssystem durch Gegenmaßnahmen ausgeglichen werden müsste – etwa durch verpflichtende Anwesenheit während der Schulzeiten und möglicherweise auch in den Ferien. Die Ministerin ließ zudem durchblicken, dass Lehrkräfte künftig mehr Zeit in den Schulen verbringen müssten.
Die GEW NRW wies diese Behauptungen entschieden zurück. Viele Aufgaben wie Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen fanden außerhalb des Schulgeländes statt und müssten flexibel bleiben, hieß es. Die Gewerkschaft widersprach Fellers Darstellung, Lehrkräfte seien nicht überlastet, und warf ihr vor, die Realität zu verkennen. Laut GEW sei die Arbeitszeiterfassung eine gesetzliche Verpflichtung und keine Forderung der Gewerkschaft. Die erhobenen Daten sollten vielmehr für mehr Transparenz sorgen und den Gesundheitsschutz der Lehrkräfte stärken. Gleichzeitig warnte die GEW davor, Lehrkräfte während der Pausen auf dem Schulgelände festzuhalten – solche Maßnahmen untergrüben das Vertrauen und das Wohlbefinden der Beschäftigten. Die Gewerkschaftsführung forderte eine ehrliche Debatte über Arbeitsbelastung, Ressourcen und Unterstützung für Pädagoginnen und Pädagogen. Sie rief die Landesregierung auf, Verantwortung zu übernehmen und die Wertschätzung sowie den Schutz der Lehrkräfte zu gewährleisten.
Die Auseinandersetzung offenbart tiefe Gräben in der Frage, wie die Arbeitszeit von Lehrkräften gestaltet werden soll. Während Feller auf strengere Präsenzregeln pocht, setzt sich die GEW für flexible, gesundheitsorientierte Arbeitsbedingungen ein. Eine Einigung ist vorerst nicht in Sicht.






