Theaterprozess stellt AfD auf die Probe – Kunst oder juristische Provokation?
Klothilde BergerTheaterprozess stellt AfD auf die Probe – Kunst oder juristische Provokation?
Ein dreitägiger Theaterprozess stellt die deutsche Rechtspopulisten-Partei AfD auf den Prüfstand
Unter der Regie des Schweizer Theaterregisseurs Milo Rau wurde in einer inszenierten Gerichtsverhandlung die Frage aufgeworfen, ob die Alternative für Deutschland (AfD) verboten werden sollte. Die unter dem Titel "Prozess gegen Deutschland" präsentierte Produktion verband echte juristische Debatten mit szenischer Darstellung – und sorgte bereits im Vorfeld für Kontroversen.
Rau, bekannt dafür, politische und rechtliche Dilemmata mit theatralischen Mitteln zu erkunden, hatte in früheren Werken wie "Die letzten Tage der Ceaușescus", "Die Moskauer Prozesse" oder "Das Kongo-Tribunal" reale Gerichtsdrama mit Betroffenen, Anwälten und Richtern nachgestellt. Seine Inszenierungen verwischten dabei bewusst die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit, oft in authentischen Settings und mit verbindlichen Verträgen für die Beteiligten.
Für "Prozess gegen Deutschland" holte Rau prominente Akteure an Bord: Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernahm den Vorsitz als Richterin, eine siebenköpfige Jury hörte die Argumente von Befürwortern und Gegnern eines AfD-Verbots. Am Ende sprach sich die Jury für eine vertiefte Prüfung eines möglichen Parteiverbots aus.
Doch die Veranstaltung stieß von Anfang an auf Widerstand. Einige eingeladene Teilnehmer sagten kurzfristig ab, weil sie sich weigerten, mit Vertretern der rechtsextremen Szene auf einer Bühne zu stehen. Andere kritisierten die Beteiligung eines Kommentators als berechenbare, rein performative Geste. Trotz der Spannungen wurde der Prozess durchgeführt – und zwang das Publikum, sich mit der Schnittmenge zwischen künstlerischer Provokation und juristischer Ernsthaftigkeit auseinanderzusetzen.
Das Verfahren endete mit einem Appell, die AfD genauer unter die Lupe zu nehmen, ohne dass eine rechtlich bindende Entscheidung getroffen wurde. Raus Inszenierung zeigte einmal mehr, wie Theater reale Justiz spiegeln – und herausfordern – kann. Die Debatte über Methoden und Wirkung der Aktion wird wohl noch lange nach dem Fall des Vorhangs andauern.






