17 January 2026, 13:43

Theologe warnt vor Missbrauch des Christentums durch Populisten in Deutschland und den USA

Ein Plakat mit einem Zitat von Präsident Joe Biden über die Wiederherstellung der Seele des Landes, den Wiederaufbau der Mittelschicht und die Vereinigung des Landes.

Präses Latzel warnt vor politischer Missbrauch des Glaubens - Theologe warnt vor Missbrauch des Christentums durch Populisten in Deutschland und den USA

Thorsten Latzel, der leitende Theologe der zweitgrößten regionalen evangelischen Kirche Deutschlands, hat vor der zunehmenden Vermischung von Religion, Politik und Populismus gewarnt. In einer aktuellen Stellungnahme kritisierte er sowohl US-amerikanische Evangelikale als auch rechtsextreme Strömungen in Deutschland dafür, christliche Werte zu verzerren, um nationalistische und militaristische Agenden zu rechtfertigen.

Latzel, der an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland steht – einer Kirche mit über zwei Millionen Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland –, sprach sich gegen die "Militarisierung des Denkens" aus. Er argumentierte, dass die immensen Summen, die für Rüstung ausgegeben würden, stattdessen in den Klimaschutz und die Bekämpfung von Armut fließen sollten.

Zudem verurteilte er US-Evangelikale für ihre bedingungslose Loyalität zu Donald Trump und wies die Vorstellung zurück, Trump sei ein "messianischer Retter". Latzel betonte, dass Jesus nicht als Rechtfertigung für Imperialismus oder Nationalismus instrumentalisiert werden dürfe. Als Beispiel nannte er die theologische Begründung des US-Vizepräsidenten JD Vance für eine harte Migrationspolitik. In Deutschland warnte Latzel vor "christlichen Influencern", die sich mit rechtsextremen Parteien wie der AfD verbünden. Stattdessen forderte er eine erneuerte Konzentration auf Friedensarbeit und Konfliktprävention.

Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland, die eine der größten protestantischen Gemeinschaften Deutschlands vertritt, teilte seine Sorgen, dass der Glaube für politische Zwecke ausgenutzt werde.

Latzels Äußerungen unterstreichen die Spannungen zwischen Glauben und Politik in den USA wie in Deutschland. Sein Appell für Frieden und soziale Gerechtigkeit steht im scharfen Kontrast zu der nationalistischen Rhetorik, die er kritisiert. Die Debatte spiegelt eine breitere Besorgnis wider: die Vereinnahmung von Religion für spalterische Agenden.

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