Thomas Soltwedel wird Deutschlands neuer Hirschlock-Champion 2024
Oswin MosemannOhne Geweih, aber mit Stimmgewalt: Bester Hirschrufer gekrönt - Thomas Soltwedel wird Deutschlands neuer Hirschlock-Champion 2024
Eine seltene und traditionelle Fähigkeit stand im Rampenlicht, als Deutschland seinen neuen Hirschlock-Champion krönte. Thomas Soltwedel aus Dobbin-Linstow in Mecklenburg-Vorpommern sicherte sich den Sieg beim diesjährigen Bundeswettbewerb. Sein Triumph ist das Ergebnis jahrelanger Hingabe, um die komplexe "Sprache" der Rothirsche zu meistern.
Bei der Deutschen Meisterschaft im Hirschlocken messen sich die Teilnehmer darin, die Laute der Tiere naturgetreu nachzuahmen. Mit Hilfsmitteln wie Ochsenhörnern, Glaszylindern oder Tritonmuscheln verstärken sie ihre Rufe, um die typischen Hirschlaute zu imitieren. Soltwedel setzte sich in allen drei Kategorien durch: beim Rufen zweier gleich starker Hirsche, beim Brunftschrei eines alten Platzhirschs und beim Balzruf eines dominanten Männchens, das Weibchen anlockt.
Das Erlernen dieser Kunst erfordert Geduld und Fachwissen. Die Wettbewerber verbringen Jahre damit, das Verhalten der Rothirsche und ihre natürlichen Lebensräume zu studieren. Die Jury, bestehend aus Förstern, Jägern und Wildtierexperten, bewertete die Darbietungen "blind" – ohne zu wissen, wer gerade rief.
Doch der Wettbewerb hat noch eine weitere Bedeutung: Die Veranstalter wollen nicht nur die traditionelle Lockjagd als Kulturgut bewahren, sondern auch auf den rückläufigen Bestand der Rothirsche in Deutschland aufmerksam machen – ein wachsendes Problem für Naturschützer.
Soltwedels Sieg unterstreicht das Können und Wissen, das für das Hirschlocken nötig ist. Die Meisterschaft feiert nicht nur eine Nischentradition, sondern lenkt den Blick auf die Herausforderungen des Artenschutzes. Angesichts schrumpfender Hirschbestände halten solche Veranstaltungen sowohl die Handwerkskunst als auch die Debatte darüber am Leben.






