Vergessene Kriegsgeschichten: Wie eine US-Luftbrücke Assam und China verband
Hellmuth OrtmannVergessene Kriegsgeschichten: Wie eine US-Luftbrücke Assam und China verband
Ein neuer Dokumentarfilm von Madhusree Dutta erkundet die vergessenen Verbindungen zwischen Assam und China während des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Titel "Flying Tigers" zeichnet der Film nach, wie eine gigantische US-Luftbrücke das Leben in beiden Regionen prägte – von abgestürzten Flugzeugen, die Bauern als Rohstoff nutzten, bis hin zu einem britischen Klavier, das in einem chinesischen Wohnzimmer landete. Die Geschichte bringt unerwartete Verknüpfungen ans Licht.
Das Projekt nahm seinen Anfang, als Duttas Mutter, die an Demenz litt, Bruchstücke von Assams Vergangenheit preisgab. Diese Erinnerungsfetzen veranlassten die Filmemacherin, die langfristigen Folgen des Krieges auf Menschen und Landschaften zu untersuchen.
Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Alliierten die Ledo-Straße, um Assam mit Burma zu verbinden. Parallel dazu lief vier Jahre lang die "Hump"-Luftbrücke: Über den Himalaya wurden Munition, Versorgungsgüter und sogar 5.000 Maultiere in die abgelegene Provinz Yunnan geflogen. Die Operation störte das ökologische Gleichgewicht – Tiger drangen in Teeplantagen ein. Abgestürzte Maschinen wurden zum Alltag: Dorfbewohner verarbeiteten Metallschrott zu Werkzeugen oder bauten ihn in ihre Häuser ein.
Die einst ruhige Stadt Kunming entwickelte sich durch die Luftbrücke zu einem pulsierenden Knotenpunkt. Unter den importierten Gütern befand sich auch Schmuggelware, etwa ein britisches Kolonialklavier aus Assam, das im Wohnzimmer der Familie von Mi You landete. Jahrzehnte später führte Purav Goswani, ein Einheimischer aus Assam, Duttas Team zu historischen Stätten und brachte sie mit der Miya-Gemeinschaft zusammen – einer Bauernbevölkerung, deren Leben von den Kriegsereignissen geprägt wurde.
Der Film beleuchtet zudem aktuelle Spannungen, etwa das "National Register of Citizens" in Indien, das Menschen ohne Nachweis ihrer assamesischen Herkunft mit Internierung bedroht. Dutta verwebt die Eisenbahnstrecke Chongqing–Duisburg, ein Symbol für globale Vernetzung, mit Reflexionen darüber, wie die pandemiebedingte Isolation die Grenzräume widerspiegelt, die sie in ihrer Arbeit erkundet.
Duttas Dokumentation verbindet Kriegsgeschichte mit heutigen Kämpfen um Identität und Zugehörigkeit. Das Erbe der "Hump"-Luftbrücke lebt weiter – in umfunktioniertem Schrott, vertriebenen Tieren und den Schicksalen derer, die zwischen Grenzen gefangen sind. Durch die verblassenden Erinnerungen ihrer Mutter und die Erfahrungen der Miya-Gemeinschaft zeigt der Film, wie die Vergangenheit die Region bis heute formt.






