Von Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Hellmuth OrtmannVon Durchgestrichen zu Gleichheit - Solinger Pastoren teilen ihre Geschichten
Vom Durchstreichen zur Gleichberechtigung – Solinger Pfarrerinnen erzählen ihre Geschichten
50 Jahre Gleichstellung in der Gemeinde – Wie Frauen auf die Kanzel gelangtenSolingen – Genau die Hälfte der 26 Pfarrer:innen im Kirchenkreis Solingen sind heute Frauen. Was heute selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines langen kirchlichen und gesellschaftlichen Lernprozesses. Denn die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt erreichte die Evangelische Kirche erst schrittweise.
Drei Generationen von Pfarrerinnen in Solingen haben die Rolle der Frau in der Evangelischen Kirche mitgeprägt. Von den frühen Kämpfen um Akzeptanz bis zur heutigen fast gleichberechtigten Vertretung spiegeln ihre Geschichten Jahrzehnte des Wandels wider. Im Kirchenkreis sind heute 13 der 26 Pfarrstellen mit Frauen besetzt – eine Entwicklung, die mit Pionierinnen wie Marie Gohlke im Jahr 1948 begann.
Marie Gohlke wurde 1948 als erste ordinierte Pfarrerin Solingens in einem von Männern dominierten Feld zur Wegbereiterin. Während des Zweiten Weltkriegs hatten Frauen vorübergehend seelsorgerische Aufgaben übernommen, doch nach Kriegsende wurden viele wieder an den Rand gedrängt. Die rechtliche Gleichstellung im Pfarramt kam erst 1975 – im selben Jahr, in dem Ruth Herget, Gohlkes Tochter, ordiniert wurde.
Gisela Vogel, 1967 ordiniert, stieß allein wegen ihres Geschlechts auf Widerstand. Dennoch wurde sie später die erste weibliche Oberkirchenrätin im Rheinland und arbeitete in einem Gremium mit zwanzig Männern. Ihr Durchhaltevermögen ebnete anderen den Weg, darunter Dr. Ilka Werner, der heutigen Superintendentin, die ebenfalls anfangs Skepsis gegenüber ihrer Führungsfähigkeit erlebte. Raphaela Demski-Galla, seit 2006 Pfarrerin, wuchs mit der Selbstverständlichkeit auf, dass Gleichberechtigung in der Kirche normal sei. Heute feiert der Kirchenkreis Vielfalt und erkennt an, wie unterschiedliche Perspektiven die pastorale Arbeit bereichern.
Der Wandel ist deutlich: Wo Frauen einst um ihren Platz kämpfen mussten, stellen sie heute die Hälfte des Klerus in Solingen. Die Familie Herget verkörpert diesen Generationenwechsel – Marie, Ruth und Dorothea wurden jeweils in ihrer Zeit ordiniert. Ihr Weg steht exemplarisch für die größere Transformation: von der Ausgrenzung zur gleichberechtigten Partnerschaft im Pfarramt.
Die Kirche schätzt heute die Beiträge von Pfarrerinnen und sieht Vielfalt als Stärke. In Solingen sind 13 von 26 Pfarrstellen mit Frauen besetzt – ein Gleichgewicht, das Jahrzehnte des Fortschritts widerspiegelt. Den Weg ebneten jene, die Traditionen infrage stellten und so kommenden Generationen den Dienst ohne dieselben Hürden ermöglichten.






