06 January 2026, 08:25

Warum der Bremer Schneider seit 1829 nie über das Weser-Eis läuft

Ein Tisch mit Tellern, Löffeln, Eiswürfeln, Austern und anderen Speisen.

Wette auf Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Warum der Bremer Schneider seit 1829 nie über das Weser-Eis läuft

Seit 1829 findet in Bremen jedes Jahr eine skurrile Tradition statt: Eine Gruppe von Kaufleuten wettet darauf, ob die Weser bis Anfang Januar komplett zugefroren ist. Die Wette beinhaltet einen Schauspieler, verkleidet als Schneider – und ein glühendes Bügeleisen.

Alles begann, als 18 Bremer Kaufleute ihren Einsatz auf das Eis des Flusses setzten. Die Herausforderung: Frohr die Weser zu, sollte ein Schneider mit einem heißen Bügeleisen in der Hand über das Eis laufen. Blieb sie flüssig, verlor er.

Seit über zwei Jahrhunderten bleibt das Ergebnis dasselbe. Der Schneider schafft es nie zu Fuß ans andere Ufer. Stattdessen rudert er in einem Boot, und das Urteil ertönt: „De Werser geiht!“. („Die Weser fließt!“) Nur wenige Male wurde die Tradition seit ihrem Bestehen unterbrochen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts formalisierte der Kaufmann und Sportorganisator Heinrich Schmeding das Ereignis. Er gründete das Eislaufkomitee, um Rennen auf der zugefrorenen Weser zu veranstalten. Heute findet das Eiswetten-Fest am dritten Samstag im Januar statt und lockt rund 800 Gäste an. Der Preis für einen zugefrorenen Fluss? Ein gemeinsames Mahl aus Grünkohl und Wurst. Zudem unterstützt die Veranstaltung einen guten Zweck: Die Spenden der Teilnehmer fließen an die Seenotrettung.

Die jährliche „Niederlage“ des Schneiders ist längst zu einer lokalen Institution geworden. Jedes Jahr festigt die Wette eine uralte Sitte und sammelt gleichzeitig Geld für Rettungseinsätze. Die Weser, so scheint es, ist noch nie rechtzeitig für den Schneider zugefroren.

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