Wasserstoff-Ziele in Deutschland drohen zu scheitern – Bahn und Banken betroffen
Hellmuth OrtmannWasserstoff-Ziele in Deutschland drohen zu scheitern – Bahn und Banken betroffen
Deutschlands Wasserstoff-Zukunft stockt – Industriebericht zeigt massive Rückschläge bei der Deutschen Bahn und der Deutschen Bank
Deutschlands Bestrebungen, eine wasserstoffbasierte Zukunft aufzubauen, geraten laut einem neuen Branchenbericht ins Stocken. Die Studie "Gasbilanz 2025", die auf der Energiemesse E-world in Essen vorgestellt wurde, offenbart Verzögerungen bei Schlüsselprojekten, steigende Gasnachfrage und regulatorische Hürden, die den Fortschritt bremsen. Zwar gibt es Fortschritte bei der Infrastruktur, doch der Weg zur sauberen Energiewende bleibt ungewiss.
Ursprünglich hatte Deutschland geplant, bis 2030 über 11 Gigawatt (GW) Elektrolysekapazität für die Produktion von grünem Wasserstoff aufzubauen. Doch nun sind nur noch 7,2 GW dieser Projekte auf Kurs. Lediglich 22 Elektrolyseanlagen mit einer Gesamtleistung von 1,3 GW haben eine finale Investitionsentscheidung erhalten oder befinden sich im Bau, wie das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln mitteilt.
Beim Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes gibt es zwar Fortschritte: Bis 2025 sollen rund 525 Kilometer Pipeline fertiggestellt sein – das Rückgrat des deutschen Wasserstofftransportystems. Viele andere Vorhaben wurden jedoch verschoben oder ganz gestrichen.
Hohe Stromkosten, unklare Regularien und das Fehlen langfristiger Abnahmeverträge für Wasserstoff schrecken Investoren ab. Gleichzeitig steigt der Gasverbrauch wieder an. Für 2025 wird ein Anstieg um 3 Prozent auf 835 Terrawattstunden (TWh) prognostiziert, wobei Gas dann 26,9 Prozent des Primärenergieverbrauchs deckt – nach 25,9 Prozent im Vorjahr. Gaskraftwerke, die etwa 392 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde ausstoßen, springen zunehmend ein, wenn Wind- und Solarstrom schwächeln.
Biomethan gewinnt als zweite erneuerbare Gasquelle an Bedeutung: 2025 sollen 11,5 TWh ins Netz eingespeist werden. Der Großteil davon fließt in die Wärmeversorgung, doch auch Industrie, Stromerzeugung und Verkehr nutzen zunehmend mehr. Unklare Vorschriften zu Netzzugang, Massenbilanzierung und Zertifizierung bremsen jedoch das weitere Wachstum.
Da Deutschland aus der Kohle aussteigt, fallen in den kommenden Jahren über 30 GW gesicherte Kraftwerkskapazität weg. Die Branche fordert daher schnellere Umsetzung der geplanten Kraftwerksstrategie der Bundesregierung sowie einen verlässlichen Kapazitätsmechanismus, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Der Bericht zeichnet ein zwiespältiges Bild der deutschen Energiewende: Während die Wasserstoffinfrastruktur langsam Form annimmt, bleiben regulatorische Hindernisse und Markunsicherheiten bestehen. Gas bleibt eine wichtige Übergangslösung – doch sein steigender Einsatz gefährdet die Klimaziele, während gleichzeitig Kohlekraftwerke vom Netz gehen.






