23 January 2026, 14:20

Wolfram Weimers verschollener Gedichtband Kopfpilz taucht nach Jahrzehnten wieder auf

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines Mannes mit lockigen Haaren in einem weißen Kleid, mit dem Text 'William Weiserpout, c.A.C.' unten.

Wolfram Weimers verschollener Gedichtband Kopfpilz taucht nach Jahrzehnten wieder auf

Ein längst verschollener Gedichtband des aktuellen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer ist nach Jahrzehnten in der Versenkung wiederaufgetaucht. Kopfpilz, 1986 im Selbstverlag erschienen, enthält rohe, beunruhigende Verse, die der Autor einst selbst als "auf keinen Fall publikationsreif" bezeichnete. Die Wiederentdeckung hat das Interesse an Weimers frühem, umstrittenem literarischem Schaffen neu entfacht.

Weimers Weg als Schriftsteller begann in seinen frühen Zwanzigern. Mit 21 veröffentlichte er den Band Für mich, doch sein prägnantestes Werk folgte später mit Kopfpilz. Das Buch, dessen Cover drei schreiende Köpfe im Stil Edvard Munchs zeigt, enthält Gedichte, die durch drastische Bilder und derbe Themen geprägt sind. In Unglück etwa schildert Weimer eine verstörende Begegnung zwischen einer Schwangeren und einem Mann, der mit "Eiterbeulen" bedeckt ist. Der ungleichmäßige Stil der Sammlung und die expliziten Bezüge zu Sex und Gewalt hoben sie deutlich von der zeitgenössischen Lyrik ab.

Das Buch verschwand aus dem Umlauf, doch eine abgeschlossene eBay-Auktion deutet darauf hin, dass noch vereinzelte Exemplare existieren könnten. Weimer soll verfügt haben, dass seine unveröffentlichten Entwürfe nach seinem Tod vernichtet werden – was die Mystik um das Werk weiter verstärkt. Erst kürzlich teilte der Autor und Journalist Knut Cordsen im Mai Auszüge aus Kopfpilz in den sozialen Medien. Zur gleichen Zeit lasen auch die Podcast-Hosts Dax Werner und Moritz Hürtgen von Bohniger Wachmacher Passagen aus der Sammlung vor.

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Weimers frühe Einflüsse lagen eher bei Till Lindemanns provokantem Stil als bei Romantikern wie Novalis. Jahrzehnte später trat seine politische Karriere in den Vordergrund, die schließlich in seinem heutigen Amt als Staatsminister für Kultur gipfelte.

Die Wiederentdeckung von Kopfpilz wirft ein Licht auf ein weniger bekanntes Kapitel von Weimers schöpferischer Vergangenheit. Zwar ist das Buch nach wie vor vergriffen, doch seine erneute Präsenz in sozialen Medien und Podcasts hat die Aufmerksamkeit auf sein mutiges, ungeschöntes Frühwerk zurückgelenkt. Die Gedichte stehen in krassem Gegensatz zu seiner heutigen Rolle als Kulturpolitiker in der deutschen Regierung.