Zuckerrübenanbau in Deutschland: Kampf gegen Schädlinge, Krankheiten und Marktpreise
Oswin MosemannZuckerrübenanbau in Deutschland: Kampf gegen Schädlinge, Krankheiten und Marktpreise
Deutsche Zuckerrübenbauern kämpfen mit Krankheiten, Schädlingen und Marktbelastungen
Die Anbauer von Zuckerrüben in Deutschland sehen sich wachsenden Herausforderungen durch Krankheiten, Schädlinge und wirtschaftliche Druckfaktoren gegenüber. Seit 2026 haben neue Pflanzenschutzlösungen und strengere Vorschriften die Bewirtschaftung der Felder grundlegend verändert. Gleichzeitig belasten sinkende Preise und Handelsabkommen die Produktion weiter.
Jahre lang bedrohten Krankheiten wie die Cercospora-Blattfleckenkrankheit und Stolbur (SBR) die Zuckerrübenbestände in ganz Deutschland. Als Reaktion erhielten 2026 einige Fungizide – darunter Badge WG, Coprantol Duo und Recudo – die volle Zulassung und bieten Landwirten damit zuverlässigere Werkzeuge. Zuvor halfen Notfallzulassungen, Ausbrüche einzudämmen, doch dauerhafte Genehmigungen gelten als bessere langfristige Lösung.
Gleichzeitig haben sich Biostimulanzien in bestimmten Regionen als Standard durchgesetzt. Im Rahmen des SBR/Stolbur-Programms von Südzucker wurde Kinsidro Grow+ 2025 für Spritzanwendungen in der zweiten und dritten Phase nach dem Auflaufen der Pflanzen verpflichtend eingeführt. Ziel war es, die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen in den wichtigsten Anbaugebieten zu stärken.
Auch die Unkrautbekämpfung hat sich weiterentwickelt. Betriebsleiter Marius Feldmann testete 2025 Rinpode, ein neues Herbizid, um hartnäckige Hühnerhirse und andere Unkräuter zu bekämpfen. Erste Ergebnisse waren vielversprechend: Das Mittel steigerte sowohl den Ertrag als auch den Zuckergehalt. Die geringe Aufwandmenge von nur 2 Gramm pro Hektar machte es im Vergleich zu älteren Herbiziden, die höhere Dosierungen erfordern, zu einer nachhaltigeren Option.
Doch die Marktbelastungen bleiben bestehen. Bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG in Höxter, Nordrhein-Westfalen, sank der Zuckerrübenanbau von 160 Hektar im Jahr 2023 auf 118 Hektar bis 2026. Niedrige Zuckerpreise und unsichere Handelsbedingungen – darunter mögliche zollfreie Importe im Rahmen des noch nicht ratifizierten Mercosur-Abkommens – veranlassen manche Landwirte, die Anbauflächen zu reduzieren.
Trotz dieser Hindernisse schreitet die Innovation voran. Neue Fungizide, Herbizide und Biostimulanzien helfen den Erzeugern, Erträge zu sichern und die Qualität zu erhalten. Angesichts der Ausbreitung von Krankheiten wie Stolbur in Regionen wie Bayern bleibt der Bedarf an wirksamen Lösungen jedoch dringend.
Der Zuckerrübensektor passt sich strengeren Vorschriften, aufkommenden Bedrohungen und wirtschaftlichen Spannungen an. Zugelassene Fungizide, niedrigdosierte Herbizide und Biostimulanzien spielen mittlerweile eine zentrale Rolle im Feldmanagement. Ohne stabile Preise oder klarere Handelspolitik bleibt die langfristige Perspektive für deutsche Zuckerrübenbauern jedoch ungewiss.






