Bunte Leichenwagen erobern Europas Bestattungskultur und brechen mit Traditionen
Anto SchülerBunte Leichenwagen erobern Europas Bestattungskultur und brechen mit Traditionen
Leichenwagen sind nicht mehr auf klassisches Schwarz beschränkt
In ganz Europa setzen Bestatter zunehmend auf kräftige Farben und individuelle Designs für ihre Fahrzeugflotten. Dieser Wandel spiegelt einen größeren gesellschaftlichen Umschwung in der Einstellung zu Bestattungstraditionen wider.
In Deutschland ist der Trend deutlich erkennbar. Christian Jäger, Geschäftsführer des Bestatterverbands Nordrhein-Westfalen, bestätigt, dass farbige Leichenwagen immer mehr Akzeptanz finden. Zwar bleibt Schwarz nach wie vor verbreitet, doch greifen Bestatter mittlerweile auch zu Weiß, Grau, Silber, Gold, Pastelltönen, Grün, Rot oder sogar Himmelblau.
Die gesetzlichen Vorgaben lassen hier Spielraum. Zwar müssen Bestattungsfahrzeuge strenge DIN-Normen in puncto Ausstattung, Hygiene und Sicherheit erfüllen, doch gibt es keine Vorschriften zu Farbe oder Design. Diese Freiheit hat zu kreativen Lösungen geführt – von Zweifarblackierungen bis hin zu ungewöhnlichen Nuancen wie Magenta-Metallic.
Einige Unternehmen haben den Trend konsequent umgesetzt. Die Trauerhilfe Göck, ein deutscher Bestattungsdienst, setzt zwei himmelblaue Mercedes-Modelle ein – einen W211 E 280 CDI und einen W213 E 220 CDI 4Matic. Tobias Göck, der Gründer, bevorzugt Blau in verschiedenen Schattierungen, manchmal kombiniert mit goldenen Akzenten. Ähnlich verhält es sich bei Bestattung Himmelblau in München, das eine Flotte von rund 30 himmelblauen Fahrzeugen unterhält.
Doch der Trend beschränkt sich nicht auf Deutschland. In den Niederlanden bietet Uitvaart Store in Rotterdam Leichenwagen der Marke Cadillac in Dunkelblau, Roségold oder Rot an – für einen eleganteren Abschied. In Großbritannien wiederum liefert Green's Carriage Masters Fahrzeuge in Regenbogenoptik, Leopardenmuster oder Pink. Blau bleibt zwar die beliebteste Alternative, doch auch Rot und Gold gewinnen an Beliebtheit.
Der Abschied vom klassischen schwarzen Leichenwagen unterstreicht den wachsenden Wunsch nach Individualisierung in der Bestattungskultur. Da es keine rechtlichen Farbvorgaben gibt, können Bestatter Angehörigen nun mehr Möglichkeiten für einen persönlichen und bedeutungsvollen Abschied bieten. Mit der steigenden Nachfrage nach einzigartigen und maßgeschneiderten Trauerfeiern wird sich dieser Wandel voraussichtlich weiter fortsetzen.






