22 March 2026, 10:09

RWE plant 45 Kilometer Pipeline für künstliche Seen in NRW – doch die Kritik wächst

Detailiertes altes Kartenbild des Rheins in Deutschland, das Flüsse, Städte und Gewässer zeigt, mit Text oben und unten, der geografische Informationen liefert.

RWE plant 45 Kilometer Pipeline für künstliche Seen in NRW – doch die Kritik wächst

Ein gewaltiges 45 Kilometer langes Rohrleitungssystem soll bald Rheinwasser in ehemalige Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen leiten. Das von dem Energiekonzern RWE geführte Projekt zielt darauf ab, die Tagebaue in Seen zu verwandeln – doch es entfacht Debatten über Umweltgefahren und langfristige Kosten. Während lokale Politiker und Aktivisten uneins sind, ob der Plan wirtschaftliche Vorteile oder ökologische Schäden mit sich bringt, bleibt die Zukunft der Region ungewiss.

Die Pipeline wird sich über 45 Kilometer erstrecken und aus 10.000 Einzelrohren bestehen, von denen einige einen Durchmesser von bis zu 2,2 Metern aufweisen. Ihr Zweck ist es, die Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden zu fluten und so künstliche Seen entstehen zu lassen. Die Befüllung dieser Gewässer wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, und weitere Jahrzehnte werden nötig sein, um den Wasserstand danach stabil zu halten.

RWE hat bereits zentrale Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipelinebau erhalten, doch die Erlaubnis zur Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach steht noch aus. Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Hauptgenehmigung nach dem Bundesberggesetz erteilt, was bedeutet, dass vor Baubeginn keine weiteren expliziten Freigaben erforderlich sind.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Reaktionen vor Ort fallen gemischt aus. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller sieht in dem Projekt ein Zeichen des Strukturwandels und prophezeit, dass der künftige "Elsdorfer See" seine Stadt bekannt machen werde. Andreas Büttgen von der Initiative Bürirer für Bürir hingegen bezeichnet RWE-Vorgehen als "Spitzenstrategie" – und warnt zugleich vor versteckten Langzeitkosten. Seine Gruppe fordert strengere Kontrollen und eine Reinigung des Rheinwassers, bevor es in die Gruben geleitet wird.

Umweltverbände wie der BUND und Alle Dörfer bleiben äußern Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität. Sie warnen, dass "Ewigkeitschemikalien" wie PFAS die neuen Seen verunreinigen könnten. Büttgen hofft zudem auf mehr öffentliche Transparenz, wissenschaftliche Begleitforschung und mögliche Proteste gegen das Vorhaben.

RWE-Vorstand Lars Kulik präsentiert das Projekt als Symbol für Verlässlichkeit und zukünftige Chancen. Neben der Seenschöpfung verspricht das Unternehmen den Erhalt von Feuchtgebieten, einen Aufschwung des Tourismus und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Doch die Wasserversorgung der Region steht bereits unter Druck: Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum, das derzeit gebaut wird, wird enorme Mengen Wasser für die Kühlung verbrauchen – und verschärft damit die Sorgen um Knappheit.

Die Flutung der Tagebaue Hambach und Inden soll 2030 beginnen, Garzweiler folgt voraussichtlich 2036. Der Pipelinebau wird auf Basis der bestehenden Genehmigungen voranschreiten, doch die Diskussionen über Wasserqualität, ökologische Folgen und wirtschaftliche Effekte reißen nicht ab. Ob das Projekt gelingt oder ungewollte Konsequenzen nach sich zieht, wird sich über Jahrzehnte entscheiden – und sowohl die Landschaft als auch die Zukunft der Region prägen.

Quelle