Wiesbadens Theater revolutioniert die Bühne: Die ganze Stadt wird zur Spielstätte
Klothilde BergerWiesbadens Theater revolutioniert die Bühne: Die ganze Stadt wird zur Spielstätte
Das Hessische Staatstheater Wiesbaden startet mit mutigem Spielplan 2026/2027 unter dem Motto "Wem gehört die Stadt?"
Die neue Saison bricht mit traditionellen Theatergrenzen und verbindet Bühnenkunst mit dem öffentlichen Raum. Den Auftakt bildet eine groß angelegte Produktion von Carl Orffs "Carmina Burana" mit über 200 Künstler:innen auf der Bühne.
Das Theater setzt auf eine radikale Öffnung: Die Grenze zwischen Darstellenden und Publikum soll verschwimmen. Ein zentrales Projekt ist die "Sinfonie für 100 Bürger:innen", bei der die Bevölkerung aktiv mitwirkt und die Frage neu stellt, wer Kunst schafft und erlebt. Ein weiterer Höhepunkt ist "Metropolis Wiesbaden", das die gesamte Stadt zur Bühne macht und das Publikum an ungewöhnliche Orte führt.
Statt fester Spielpläne setzt das Haus auf "Opera-Flashmobs", die spontan an wechselnden Orten auftauchen. Die historische Wartburg wird nicht länger als klassischer Theaterraum, sondern als lebendiger Begegnungsort genutzt. Dieser Wandel spiegelt den Anspruch wider, Geschichte und Gegenwart in Dialog zu bringen.
Im Schauspiel liegt der Fokus auf systemkritischen Stücken und urbanen Zukunftsvisionen. Das Theater will Menschen erreichen, die sonst nie eine traditionelle Vorstellung besuchen – und bringt die Kunst direkt in den öffentlichen Raum. Auch die Musiktheater-Produktionen erkunden Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und regen zu neuen Gesprächen an.
Die Saison markiert einen klaren Bruch mit herkömmlichen Theaterstrukturen. Indem es feste Spielstätten und Rollenbilder hinter sich lässt, will das Hessische Staatstheater Wiesbaden zu einem Ort gemeinsamer Resonanz werden. Die Aufführungen verteilen sich über die ganze Stadt, laden zur Teilhabe ein und stellen die Frage nach kultureller Zugehörigkeit neu.






