NDR trennt sich von Moderatorin Julia Ruhs – und löst damit eine Debatte aus
Oswin MosemannNDR trennt sich von Moderatorin Julia Ruhs – und löst damit eine Debatte aus
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Zusammenarbeit mit der Moderatorin Julia Ruhs als alleinige Gastgeberin des Reportageformats "Klar" beendet. Diese Entscheidung fällt, obwohl die Redaktion des Senders alle drei von ihr präsentierten Folgen abgesegnet hatte. Ruhs wird das gleiche Format weiterhin für den Bayerischen Rundfunk (BR) moderieren, wo sie vor nur drei Jahren als Freiwillige ihre Karriere begann.
Der Schritt hat eine Debatte ausgelöst, in der prominente Stimmen wie Oliver Welke vom ZDF die Entscheidung des NDR kritisieren. Ruhs selbst bezeichnet ihre politische Haltung als "konservativ-bürgerlich", doch ihre früheren Arbeiten standen im Verdacht, spaltende Positionen zu vertreten.
Ruhs stieg 2021 als Freiwillige beim BR ein und avancierte schnell zur Moderatorin. Zwar beschreibt sie ihre politische Ausrichtung als "konservativ-bürgerlich", doch sah sie sich in der Vergangenheit Kritik ausgesetzt. Journalisten wie Hamado Dipama warfen ihr vor, in Auftritten vor 2025 eine "rassistische, rechtspopulistische und spaltende Agenda" zu verbreiten, die sich gegen Geflüchtete, Migranten und linke Gruppen richte. Öffentliche Äußerungen von Ruhs, die diese Vorwürfe direkt bestätigen, sind jedoch nicht dokumentiert.
Die Entscheidung des NDR, Ruhs durch Tanit Koch zu ersetzen, stieß auf geteilte Reaktionen. Ein geleaktes Video zeigt NDR-Redakteure, die intern über den Schritt diskutieren und einräumen, mit einem "rechtsgerichteten" Format AfD-Wähler ansprechen zu wollen. Gleichzeitig hatten die Verantwortlichen alle drei Folgen mit Ruhsvor der Änderung freigegeben.
Oliver Welke, Moderator der ZDF-heute-show, äußerte öffentlich Widerspruch gegen die NDR-Entscheidung. Er argumentierte, Ruhs' Sendungen seien gut gemacht, und öffentlich-rechtliche Sender sollten mehr Raum für vielfältige Stimmen lassen. Ruhs reagierte auf X (ehemals Twitter) und nannte Welkes Satire "etwas gemein, aber sehr witzig". Die Komikerin Idil Baydar (bekannt als Bosetti) verteidigte hingegen den NDR, bezeichnete Ruhs' Arbeit als "Populismus und schlechten Journalismus" und unterstützte die Senderentscheidung.
Während Ruhs beim BR bleibt, setzt der NDR mit Koch als neuer Moderatorin von "Klar" auf einen Neuanfang. Die Diskussion um ihren Abgang offenbart die Spannungen um politische Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die internen Erörterungen des NDR und die externe Kritik deuten darauf hin, dass die Entscheidung auch größere Fragen zur redaktionellen Ausrichtung und Zuschauerbindung aufwirft.






